Wer unter einem Weltatlas vor allem ein kompaktes Kartenwerk versteht, und auf einen schweren, unhandlichen Koloss mit unzähligen Seiten à la Länderlexikon und pseudowissenschaftlicher Geologiekunde verzichten kann, scheint hier auf der richtigen Fährte zu sein!
Die Karten des 'UNIVERSALATLAS' sind exzellent grafisch gestaltet. Sie sind in der klassischen, allmählich veralteten farblichen Höhendarstellung gehalten. Nichts desto trotz ist es mit dieser Methode mal endlich gelungen, dem Betrachter einen tatsächlich plastischen Eindruck zu vermitteln! Die Darstellungsweise ist sehr ansprechend, weder fahle farblose Papierbogen, noch eine aufdringlich kitschige Farb- oder Symbolwahl.
Leider wurden diverse unterschiedliche Massstäbe angewendet, darunter leiden typischerweise Landstriche Sibiriens, der Mongolei, Chinas oder Kanadas. Sogar gewisse Gebiete Kenias und Tansanias (einige des Europäers beliebteste Destinationen Schwarzafrikas) schienen vergessen worden zu sein: Sie sind lediglich im Verhältnis 1:16'700'000 anzutreffen, wobei alle übrigen Regionen Afrikas im Massstab 1:6'700'000 abgebildet sind. Es dürften ruhig einige Übersichtskarten rausgekickt werden, statt dessen einige höher aufgelöste Ausschnitte eingefügt werden. In der 'GROSSEN' oder 'NEUEN' ;) Ausgabe von Meyers Atlas ist diese Lücke, wie auch einige weitere geschlossen. Schade also, dass nicht gleich der gesamte Kartenteil für die 'UNIVERSAL'- Ausführung übernommen worden ist. (Auf noch detailliertere Karten Westeuropas verzichtete ich allerdings gern; die Schweiz, und Teile anderer europ. Länder sind in diesem Atlas in sage und schreibe vier verschiedenen gross bemessenen physischen Karten zu finden - von der Weltkarte mal abgesehen!)
Zudem werden im Standardwerk zusätzlich nicht wenige Zoomkarten grosser Ballungsräume dargestellt. Diese sind jedoch wenig hilfreich, da sie keinerlei Stadtplan-Charaktere aufweisen, bloss einige Kästchen für bedeutende Bezirke und Sehenswürdigkeiten, und die wichtigsten Strassen- und Schienenverläufe zeigen. Diese Karten also, von welchen es im besprochenen Titel am allermeisten mangelt (im Vergleich zu dessen grossen Brüdern) eignen sich höchstens zum Grössenvergleich monströser Städte - wenn denn der Massstab auch übereinstimmt.
Neben der Kunst, sich mit den vielen Verhältnissen der Abbildungen zurechtzufinden, muss stets darauf geachtet werden, welcher "Einwohner-Massstab" wohl jetzt gerade gilt. Dieser ist denn auch gleich auf die meisten Seitenrändern abgedruckt. Dabei gilt: Je geringer der Massstab der Karten variiert, desto geringer fällt auch die Notwendigkeit einer teilweisen Umdeutung der Städtesymbole aus. Schabe nur, dass durch diesen Hürdenlauf schon bei der Bearbeitung des Atlas etliche Fehler unterliefen; da fällt es einem dann doch hin und wieder auf, dass in Ausnahmefällen ein und dieselbe Stadt auf verschiedenen Zoom-Ebenen gleichsam auch mit unterschiedlicher Einwohnerzahl vermerkt wurde.
In einem letzten Vergleich zu 'MEYERS NEUER WELTATLAS' oder 'MEYERS GROSSER WELTATLAS' fällt auf: Das Format des Buches, und folglich auch die verwendeten Massstäbe, haben leider auch etwas abgespeckt, dafür aber wurde es handlicher und verlohr zusätzlich noch etwas an Gewicht.
FAZIT:
PRO: Einheitliche, harmonische Farbgebung! Sehr übersichtliche und korrekte grafische Darstellung ohne störend auffällige "Touristiksymbole". Gleichwohl mit einer Fülle von durchdacht eingebetteter Beschriftung. Starker Plastizitäts-Effekt. Kein integriertes Länderlexikon, d.h. nur Karten [132 S.] und Register [über 80'000 Einträge]. Politische Darstellungen jeweils in fünf sich wiederholenden Farben. Ab dem Massstab 1:6'700'000 ist die wahren Ausdehnung von Metropolen bereits deutlich erkennbar. Ein sensationelle Preis!
KONTRA: Zu viele unterschiedliche Massstäbe [mindestens 13], somit sind nicht alle Gebiete der Erde in wünschenswerter Nahansicht wiedergegeben, und der visuelle Flächenvergleich wird zu einem Akrobatikakt... Einziges grafisches Manko: Eisenbahnlinien sind kaum auszumachen, diese Farbwahl war ein Reifall. Keine Höhenangaben von Seen und keine Punktuellen Meerestiefen. Des weitern sind auch keine Seekarten mit jener grandiosen Tiefenwirkung der Landkarten enthalten. Einige Flüchtigkeitsfehler beim Finishing der Städtesymbole, welche aber den Spass nicht verderben können... denn welcher Atlas enthält bezüglich Einwohnerzahlen schon alles nur gültige Fakten?
Projektionsweise und Farbdarstellungssystem eines Atlanten bleiben stets individuelle Vorlieben; aus meiner Sicht gibt es allerdings bereits gesamthaft besser realisierte Ausführungen als die des 'MEYERS'. Aber schliesslich braucht man sowieso mindestens zwei verschiedene Kartenwerke, die sich im Idealfall komplett ergänzen sollten.
Alles in allem ist dieser Atlas also ein empfehlenswertes Stück!