Dieser Atlas ist zunächst einmal unbequem - nicht nur von seinem doch relativ schweren Gewicht her, sondern auch weil die Kartenausschnitte oftmals so ganzanders sind, als man sie von bisherigen Atlanten gewohnt ist. So wird man sich an neue, andere Perspektiven gewöhnen müssen und nicht nur dem gängigen Erdteil-bezogenen Atlanten-Gewohnheiten folgen müssen.
Was sogleich auffällt, sind diese beeindruckend detaillierten Karten, die sich nicht nur mit den großen Orten befassen, sondern auch kleine Ortschaften noch aufgreifen. Auch wenn die Beschriftung teilweise relativ klein ist (Hier sollte man überlegen, ob man nicht tatsächlich eine Lupenfolie mitliefert!), ist man über die Informationsdichte sehr froh.
Eingeteilt ist der Atlas in vier Kapitel. Im thematischen Teil wird ausgehend vom Weltall her immer präziser auf den Planeten Erde eingegangen, u.a. auch auf die Erdbewegungen, den Klimawandel, Ressourcen und Energieversorgung.
Ausgesprochen faszinierend sind die klaren Aufnahmen von Satelliten in einem gesonderten Kapitel. Diese Farbaufnahmen zeigen Gletscher-, Wüsten-, Küsten- und Siedlungsbilder mit entsprechenden Angaben zum Aufnahmeverfahren, der Bodenauflösung und der Aufnahmehöhe.
Erst nach diesen Kapiteln beginnt der ausgesprochen große Kartenbereich. Dieser verlangt, dass man sich viele Abkürzungen und Zeichen merkt oder immer wieder nachschlägt, da nur einmal zentral die Angaben beschrieben werden und dann auf den einzelnen Kartenseiten lediglich die Grad-Angaben, Maßstäbe, Höhen- bzw. Tiefenangaben und die Einwohnerzahl kenntlich gemacht werden. Eine Miniaturkarte im oberen Seitenteil zeigt, wo sich der Ausschnitt der größeren Karte auf der Erde befindet. So kann man immer wieder "switchen" zwischen Fern- und Nahaufnahme. Kleinere Erläuterungen im oberen Seitenbereich ergänzen die Großkarten. Jedem Kontinentkapitel ist eine Satellitenaufnahme und eine politische Karte des Kontinents vorangestellt.
Viele Nutzer/-innen könnten durchaus irritiert sein, wenn das Registerteil nicht zum Schluss platziert ist. Hier wäre eine Einkerbung oder ein Einlegeband ganz hilfreich gewesen. Gegebenenfalls wird man aber auch mit den Farbmarkierungen am Seitenrand seine Orientierung finden können.
Im letzten Teil von "Meyers Neuem Weltatlas" wird stärker auf das Kulturelle und die Länderkunde an sich eingegangen. So ist es schlüssig, dass sich hier auf fast 150 (!) Seiten diverse Informationen nicht nur zu den Ländern an sich (einschließlich der jeweiligen Flaggen) befinden, sondern auch noch auf die einzelnen UNESCO-Weltkulturerbestätten eingegangen wird. Neben den Kultur- und Natur-Welterbestätten werden auch noch die "Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Kulturerbes aufgelistet.
So ist dieser komplex ausgereifte Atlas tatsächlich ein Meisterwerk der Weltentdeckung, das sich über die geographische und politische Weltentdeckung hinaus sehr viel weiter bewegt und damit für die Weltsicht eine ganz andere Dimension eröffnet.
Bei dem Preis von knapp 50,00 ¤ ein ungeheuer wertvolles Instrumentarium, um sich die Welt aus unterschiedlichen Perspektiven zu eröffnen, zu erschliessen, ...zu erweitern!
Gut, dass der Atlas in einem so stabilen Schuber zur Verfügung gestellt wird. Dieser Atlas ist ein Geschenk von Format - sowohl vom Äußeren her als auch vom Inhalt her betrachtet!