Diese DVD bietet eine Aufzeichnung der damals viel beachteten Aufführung von Meyerbeers "Hugenotten" in der Inszenierung John Dews an der Deutschen Oper Berlin aus dem Jahre 1991. Zeit zu überprüfen, was uns Meyerbeer zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch zu sagen hat.
Eines vorweg: John Dew hat in seiner modernistischen Inszenierung das Stück sicher nicht zertrümmert. Mit postmodernen Versatzstücken erzählt er eine durchaus politische Geschichte, die in der Personenführung konventionell, aber schlüssig geraten ist. Auch die reichlich auftretenden Chormassen hat er im Griff; der dritte Akt, der eigentlich nur eine einzige Chorszene ist, bleibt problematisch. In mancher Äußerlichkeit verfremdet, ist doch die Thematik gerade heutzutage brennend aktuell: der blinde, destruktive Hass zwischen Religionen - hier wird er in eindringlichen Bildern sichtbar gemacht.
Sängerisch hat man für die drei Protagonisten gute bis hervorragende Besetzungen, in den kleineren Rollen tönt es nicht immer erfreulich. Meyerbeers Oper hängt in ihrer Länge auf eigenartige Weise immer wieder durch. In grandioser Uneinheitlichkeit bietet sie knallige Aufmärsche, Chöre, virtuose Soloszenen, aber auch verinnerlichte, oft geradezu spröde begleitete Gesangslinien. Auf jeden Fall aber widersetzt sich Meyerbeers Musik dem sie seit Jahr und Tag begleitenden Vorurteil, sie sei seicht und nur auf den Effekt getrimmt. Sie ist gut gearbeitet; dass ihr bisweilen die nötige Stringenz fehlt, ist eher dem Genre Grand Opera an sich anzulasten. Die musikalische Umsetzung durch das Opernorchester unter Stefan Soltesz scheint adäquat.
Scribes Libretto (hier auf Deutsch) räumt der für die persönliche Identifikation notwendigen Liebesgeschichte reichlich Platz ein, dennoch geht die Geschichte leider nicht zu Herzen.
Kuriosum dieser DVD: eine französische Oper wird auf Deutsch gesungen. Untertitel auf Deutsch gibt es daher nicht... (Zur Not muss man auf den französischen Originaltext oder auf eine englische Übersetzung zurückgreifen! )