Der englische Titel dieses Buches lautet: Zwischen Mexiko und Polen, und der Titel ist eigentlich zutreffender, denn die Autorin befindet sich kaum in Mexiko und Polen, sondern immer Dazwischen. Wenn sie an einem Ort ist, denkt sie an den anderen, wenn sie angekommen ist, rüstet sie sich für die Abreise.
Lily Brett zählt zu meinen neu entdeckten Lieblingsautorinnen. Es gibt wenige Autoren, die es so sehr wie sie verstehen, über ganz normale Alltagsdinge auf so amüsante, elegante und fesselnde Art und Weise zu schreiben.
Dieses Buch ist autobiografisch. Es beginnt in Mexiko, wohin Lily Brett sich mit ihrem Mann zurückgezogen hat, um an ihrem neuen Roman zu schreiben. Zurück in ihrem Loft in Manhattan werden sie damit konfrontiert, daß die Wohnung während ihrer Abwesenheit fast vollständig ausgebrannt ist. Das Einzige, was den verheerenden Brand überlebt hat, ist ihre Holocaust Bibliothek.
Das nächste Kapitel handelt davon, wie sehr Lily Brett ihre Wahlheimat New York liebt. Sie kommt aus Australien, hatte jahrelang Sehnsucht nach ihrer Heimat, und muß nun feststellen, wie sie unversehens begonnen hat, New York zu lieben.
Dann passiert der elfte September. Obwohl der elfte September ja sehr medienwirksam aufbereitet wurde und eine der best dokumentierten Katastrophen ist, gelingt es Lily Brett über Dinge zu schreiben, die mir zumindest noch nicht bekannt waren. Sie wohnte in unmittelbarer Nähe des World Trade Centers. Sie hörte den Knall in ihrer Wohnung, sah, daß Menschen sich umarmten und gemeinsam aus dem Fenster sprangen, und berichtet über den Brandgeruch, der monatelang in der Luft hing.
Das Buch endet in Auschwitz. Lily Brett zieht es immer wieder dorthin. Ihre Eltern haben Auschwitz überlebt, ihre ganze Familie jedoch kam dort um.
Lily Bretts Kindheit war geprägt von den vielen Toten, die die Familie zu beklagen hatte. Nun muß sie immer wieder an den Ort, an dem ihre Verwandten starben.
Sie ist nicht gerne in Polen, aber sie kann sich nicht gegen ihr Reisebedürfnis wehren.
Lily Brett macht klar, wie zerbrechlich Glück ist. Und sie schreibt ganz deutlich, mit welchen Problemen Kinder von Holocaust Überlebenden zu kämpfen haben.
Weite Teile des Buches handeln außerdem von ihrer Arbeit als Schriftstellerin und von ihren Lesereisen.
Bei all dem ist Lily Brett schonungslos ehrlich und offen, sehr introspektiv und reflektiert, und sehr oft vor allem eins: witzig.