Mexiko! Hossa, Hossa! Da erwartet man das donnernde Leben in einer Farbigkeit, wie man es bei uns nicht kennt. Das Buch jedoch läßt einen überraschend unterkühlten Ton anklingen, eine coole, lakonische Art, die manchmal sogar einen gewissen Humor ermöglicht. Allerdings lauert dabei auch die Gefahr, dass der Leser merkwürdig ungerührt bleibt - auch wenn die Männer schon von Anfang an fröhlich über Leichen gehen und wütend die Peitsche schwingen. Da muss sich die Heldin eben fügen und sich dieser wahrhaft mörderischen Macho-Welt gehorsam unterordnen. Sie tut es ja nicht ungern. Ihr bleibt auch nichts anderes übrig. Ihr bleibt nämlich nicht mal die "Wunderwelt der Hausfrau": Denn dafür hat man Angestellte, Dienstboten und Lakaien. Da muss sich die Arme eben mit Luxus trösten: "Ich bat Andrés um einen Ferrari ... Ich bekam ihn. Ich wollte, dass er mir ein persönliches Konto einrichtet, mit ausreichend Geld ... Ich bekam es." Nur das große Liebesglück bekommt sie nicht. Auch nicht von ihrer heimlichen Leidenschaft, einem Star-Dirigenten, der auch gewisse Wünsche in ihr weckt: "Ich will, daß der Schwarm Weiber, denen es kommt, wenn sie dich dirigieren sehen, weiß, daß ich es bin, die zum Zug kommt. Ich will, daß du mich nach New York mitnimmst und daß du mich deinen Freunden vorstellst ..." Und? Werden ihre Wünsche etwa erfüllt? Was sagt denn der Dirigent selber dazu: "Aber im Moment willst du doch, daß wir es miteinander treiben, oder?" Und dann sagt sie "Ja!" und vergißt ihren Forderungskatalog einen Moment lang - was für ein Unglück!