Das vorweggenommene Fazit zu diesem Album muss lauten: großartig, mitreißend, überdurchschnittlich, wenngleich ein einzelner Song für meinen Geschmack zu balladenhaft seicht geraten sind.
Aber von Anfang an:
Johnette Napolitano schüttet in "Mexican Moon" ihr großes gebrochenes Herz vor uns aus - ein bisschen Gitarre und ihre aufrüttelnde Stimme sorgen innerhalb von Sekunden dafür, dass man sich diesem Weltschmerz nicht entziehen kann ("Rain"). Da feiern sie selbst beim beginnenden Verliebtsein bereits ihre bleischweren Verlustängste ("When you smile, I don`t know what to do/ Cause I could lose everything in a minute or two", aus "When you smile"), suchen Erlösung im jeweils nächsten Rausch, sei es hilfs wohlwollender Chemie ("Wine, dine, do a line") oder der nächsten Liebschaft ("Heal it up"). Da bricht sich Tragik an Selbstironie wie in "One of my kind", da waltet musikalische Schwerstarbeit, um all die biographischen Tiefschläge in wirklich gute Lieder zu verwandeln.
Die Kritik schrieb, das sei nur was für "the mature audience", und ganz richtig, drei bis vier gescheiterte Leidenschaften, Katerstimmung und alllife crisis, mit einem Wort die mächtige Breitseite bitterer Lebenserfahrung, ein Stones`mäßiges "fair share of abuse" sind unbedingte Voraussetzung, um dieses Album von Concrete Blonde schätzen zu wissen. Was ebenso auf ihr Gesamtwerk zutrifft.
Vollends zu einer großen Platte wird "Mexican Moon" durch seinen rebellischen Grundton, welcher die Concretes offenbar nach jedem Knock down wieder auf die Beine holt wie im Rebell Yell von "Jesus forgive me". Das hier ist gewiss kein "Pop"; es ist weder populär noch bonbonsüß. Hören, Mitgehen, Rotwein kaufen.