Das tolle an vielen alten Filmen, und da bildet dieser keine Ausnahme, ist, dass sie sich Zeit nehmen ihre Story zu entwickeln. Auch hier ist nix mit ab aufs Schiff und lossegeln, sondern man lernt die Besatzung der Bounty kennen und z.B. ihre Bedenken, was für viel Realismus und erstmal weniger Abenteuerflair sorgt. Aber ist das langweilig?? Nein, absolut nicht.
Wer starke Geschichten liebt, kommt hier voll auf seine Kosten, allerdings wird hier auch gleich nach gut und böse fein säuberlich getrennt. Charles Laughton macht aus Captain Bligh einen Unsympathen, der meint, mit Prügeln jedes Problem lösen zu können. Wenn ein Matrose ausgepeitscht werden soll und der Peitschenschwinger vor Beginn der Auspeitschung feststellt, dass der Matrose bereits tot ist und Bligh trotzdem die Auspeitschung befiehlt, kann man nur den Kopf schütteln. Hier meint man wirklich es mit einem Teufel in Menschengestatlt zu tun zu haben.
Clark Gable legt seine Rolle als genaues Gegenteil an und gibt einen tollen, besonnenen Fletcher Christian. Er ist hier eindeutig zurückhaltender, als als Rhett Butler in "Vom Winde verweht" 4 Jahre später.
Was dem Film viel Unterhaltungswert gibt, ist auch Humor, der von Bligh aber jedes Mal abrupt im Keim erstickt wird, aber für den Zuschauer erst dann, wenn man mal lachen konnte.
Erstaunlich gut für die damalige Zeit sind die Aufnahmen auf der Bounty. Hier fällt garnicht auf, dass es bei Deckaufnahmen eine Kulisse vor einer Leinwand ist. Besieht man sich die Sturmszenen, braucht sich dieser 75 Jahre alte Film nicht vor neueren Filmen, wie "Master & Commander" zu verstecken.
Das das so überzeugend rüber kommt, liegt aber auch daran, dass "Meuterei auf der Bounty" damals mit 2 Millionen Dollar der teuerste Film seiner Zeit war, man sich die Rekonstruktion der Zeit also einiges hat kosten lassen.
Einen hohen Unterhaltungswert bezieht der Film aber dadurch, dass sich die Handlung zunächst auf mehrere Personen verteilt, bis die Dramaturgie anzieht und Bligh eine Schandtat nach der anderen begeht. Das das dramaturgisch hilft ist klar. Das Bligh real zwar hart, aber nicht unmenschlich war, ist aber längst bewiesen.
Eine Verschnaufpause gibt es mit dem Stop auf Tahiti. Hier bedauert man es wirklich, dass der Film nicht bunt ist (also nicht von dem colorierten Cover täuschen lassen!!!). Aber wer die beiden anderen Bounty-Verfilmungen aus den 60er und 80er Jahren kennt, oder den TV-Mehrteiler "Wind und Sterne" über James Cook, weiß wie schön Tahiti in Farbe ist und wird sich den Spaß an diesem Film nicht nehmen lassen.
Nach der Abreise aus Tahiti zieht die Dramaturgie endgültig an und zwischen Christian und Bligh entsteht ein packendes Psychoduell.
Alles in allem ist diese Version der Bounty-Story noch immer ein hervorragend unterhaltsamer Abenteuerfilm.