Das Lexikon enthält eine komprimierte Darstellung der Philosophien der meisten und wichtigsten jüdischen DenkerInnen von der Antike (Philon von Alexandrien) bis zur Postmoderne (Lyotard, Derrida). Es ist zudem nach der historischen Abfolge gegliedert, so dass ein anschaulicher Überblick geboten wird. Die einzelnen Artikel sind durchschnittlich zwei bis drei Seiten lang und werden durch einige Literaturangaben abgeschlossen.
Vorteile des auch handlichen Buches (etwa 500 Seiten) liegen in der Voraussetzungslosigkeit: Man muss kein umfassendes Wissen in jüdischer Geschichte, Kultur und Religion mitbringen, um die einzelnen Artikel zu verstehen. Weiters setzt es keine Vorkenntnisse der einzelnen Theorien der DenkerInnen voraus und die verwendeten Zentralbegriffe werden nicht ins Hebräische gedoppelt (letzteres wird manchen als Mangel erscheinen). Daher bleibt die Lesart geschmeidig, die Lektüre leicht und schwebend, wenn auch Schwerwiegendes behandelt wird.
Nachteile bestehen bedauerlicherweise, von denen ich nur den gravierendsten nennen möchte: Nicht zu jedem Eintrag ist ein Porträt (Foto, Stich, Radierung u. ä.) angefügt. Die DenkerInnen hätten m.E. mehr Sichtbarkeit verdient. Zudem werden viele SchülerInnen und StudentInnen das Lexikon als primäres oder sogar einziges Nachschlagewerk nützen, so dass zumindest eine Bildquelle pro Artikel wünschenswert gewesen wäre.
Alles in allem ist es dennoch ein überraschend gelungenes und faszinierendes Buch. Man kann es sehr gut als Anker benutzen, um ohne den Druck der Gegenwart den Horizont der philosophischen Probleme im Judentum zu erfassen, aber auch als Seil, um daran als Suchende(r) zu Grösserem, Weiterem emporzuklettern.