Dieses Lexikon aus der Nünning factory hat das Potential zum Klassiker, wenn es nicht schon längst einer ist. Jeder Student (oder Interessierte), der sich mit Literatur, Kultur oder Soziologie beschäftigt, sieht sich mit einem Wust von verschiedenen Ansätzen und Terminologie beschäftigt.
Ist Derrida nun ein Vertreter der Postmoderne oder des Poststrukturalismus? Inwiefern wurde er von Barthes und Foucault beeinflusst? Was zur Hölle ist denn eigentlich Dekonstruktion, was jeder zu benutzen, aber keiner zu verstehen scheint? Und was ist das Simulakrum von Baudrillard, nachdem alles Reale schon längst verschwunden ist und wir in einer Simulation leben, die die Realität vortäuscht um zu verbergen, dass es diese eigentlich gar nicht mehr gibt? Sind wir also alle Simulationen, irreale Vortäuschungen des Realen. Wenn das stimmt, wer schreibt dann eigentlich gerade diesen Bericht? Ich, oder doch nur mein hyperreales selbst? Ahhhhhhhhhhhhhhh.....
Antworten auf diese Fragen, sofern es diese überhaupt gibt, zu geben ist natürlich schwierig. Doch dieses Lexikon schafft es in einer Deutlichkeit, die zur Zeit einmalig ist.
Zum Schluss aber eine Warnung: wer sich, zum Beispiel, nur mal kurz über Derrida informieren möchte darf nicht damit rechnen, nach dem Lesen dieses einen Artikels aus den Fängen dieses Buches entlassen zu werden. Allein im Derrida-Artikel finden sich querverweise zur Postmoderne, zum Poststrukturalismus, zur Dekonstruktion usw. Und ehe man sich versieht ist man in diesem Buch gefangen, hetzt atemlos von Artikel zu Artikel und fragt sich nach mehreren Stunden: ist es möglich, dass ein Lexikon so fesseln kann, wie ein fiktionaler Roman?