Michael Töteberg versammelt in diesem Filmlexikon ca. 500 Filme, die auf irgendeine Art und Weise Filmgeschichte geschrieben haben. Dementsprechend beruht seine Auswahl nicht auf Kassenerfolg, Oscar- oder César-Ausbeute oder gar allgemeiner "Beliebtheit" (was immer darunter zu verstehen sein mag) eines Filmes, sondern auf Kriterien, deren Beurteilung mitunter mehr Fachwissen erfordert, als es auch der engagierteste Filmliebhaber mitbringen kann. Das freilich heißt nicht, dass man sich als völlig durchschnittlicher Kinogänger nicht für diese Kriterien interessieren könnte. Es geht im "Metzler Film Lexikon" nicht um akademische Diskussion. Es geht vielmehr um Filme, die das Medium in irgend einer Weise geprägt haben: Filme, die repräsentativ sind für bestimmte ästhetische Tendenzen oder technische Innovationen; Filme, die charakteristisch sind für das Schaffen berühmter Regisseure, Filme, die ein Genre geprägt oder weiterentwickelt haben -- oder auch Außenseiter, die mehr oder weniger erfolgreich wider den Mainstream-Stachel gelöckt haben. Vertreten sind Western ebenso wie Screwball-Komödien, Propagandafilme, Melodramen, Monumentalschinken und Gruselfilme, und vieles mehr. Dass man hier nicht seine sämtlichen Lieblingsfilme wiederfindet, liegt in der Natur der Sache -- aber das ist schließlich nicht Sinn der Übung.
Ein ehrgeiziges Ziel, das sich der Herausgeber da gesteckt hat. Um's gleich zu sagen: Er ist nicht gescheitert -- im Gegenteil!
Die quantitative Beschränkung bringt nämlich enormen qualitativen Zugewinn mit sich; jeder Film wird ca. eine Seite lang vorgestellt. Schematisiert sind bei den einzelnen Einträgen nur die recht ausführlichen "technischen Angaben". Die eigentlichen Artikel jedoch gehen weit über das hinaus, was man von vergleichbaren Filmlexika gewohnt ist -- neben der obligatorischen Inhaltsangabe geht Töteberg auf Entstehung, technische und/oder ästhetische Charakteristika ebenso ein wie auf die Wirkungsgeschichte, ggf. die Stellung im Gesamtwerk des Regisseurs, die Bedeutung fürs Genre u.v.m. Die einzelnen Artikel lesen sich allesamt flüssig und anregend. Eine weitere Besonderheit: Am Ende jedes Artikels findet man Kurzbibliographien, die nicht nur auf die ggf. verfilmte literarische Grundlage, Drehbücher etc. verweisen, sondern auch auf Sekundärliteratur in Fachzeitschriften, Sammelbänden usw.
Das Lexikon ist alphabetisch geordnet, nach den Original-Filmtiteln. Von den deutschen Verleihtiteln wird jeweils auf das Original verwiesen. Das einzige, was ich vermisst habe: eine chronologische Auflistung der Filme im Anhang; dies eine Bitte für die nächste Auflage...
Auch der Anhang des "Metzler Film Lexikons" kommt dem Benutzer nahezu optimal entgegen: Das Glossar ist ausführlich und erklärt anschaulich die verwendeten Fachbegriffe, die ausführliche Bibliographie ist sinnvoll untergliedert und daher bemerkenswert übersichtlich (allerdings ist die osteuropäische Literatur zum Film ein wenig unterrepräsentiert; außer den internationalen Wegmarken Toeplitz, Lotman und Eisenstein findet sich nicht viel -- und für den asiatischen und afrikanischen Film sieht die Bilanz wohl noch schlechter aus, fürchte ich). -- Hinzu kommen "natürlich" noch die verschiedenen Register: Filmtitel, Regisseure, Schauspieler -- und am Ende das Verzeichnis der Mitarbeiter an diesem Band; ihre jeweiligen Beiträge sind selbstverständlich hier aufgelistet.