Aus der Amazon.de-Redaktion
Das gibt es nicht oft: Ein Buch, das haargenau Szene für Szene einen Kinofilm beschreibt. Nicht etwa in einer Fotonacherzählung, sondern in schriftlicher Form, versehen mit vielen Zusatzinformationen. Der Film, dem diese Ehre zuteil wurde, ist Fritz Langs
Metropolis -- ein Werk, das Filmhistorie geschrieben hat.
Warum aber macht sich Enno Patalas die enorme Mühe der szenenweisen Darstellung? Der Grund, so der Autor in einem kurzen Voraustext, liegt in der Vielzahl von unterschiedlichen Fassungen, die seit der Premiere von Metropolis 1927 existieren. Bereits Ende der 20er Jahre gab es mehrere Versionen, die Kriegswirren verstreuten dann die Originalfilmrollen in diverse Archive. Seit den 80er Jahren kursiert sogar noch eine Neuinterpretation des Stoffes durch Giorgio Moroder (kleiner Tipp für jene, die sich für die detaillierte Geschichte dieses Meisterwerkes interessieren: Thomas Elsaessers Metropolis. Der Filmklassiker von Fritz Lang).
Es ist jedenfalls gar nicht so einfach herauszufinden, wie Langs Originalfilm aussah. Und genau hier hilft Patalas' Band! Ausgehend von der Premierenfassung durchläuft er den gesamten Film in der Abfolge seiner Szenen, beschreibt deren Inhalt sowie versionsbedingte Abweichungen, kommentiert alles und hat zudem noch viele Abbildungen. Da Metropolis ein Stummfilm war, finden sich die ursprünglichen Zwischentitel ebenso wie Hinweise zur damaligen Musikbegleitung.
Dieses lobenswerte Projekt spricht wohl hauptsächlich hart gesottene Filminteressierte an, die dürften sich aber auch vom etwas unübersichtlichen Buchaufbau nicht wirklich stören lassen. Man vermisst einige einführende Erläuterungen zur Struktur, etwa ein Verzeichnis der Filmversionen. Aber im Nachhinein ist man einfach froh, dass sich jemand so intensiv mit dem Klassiker Metropolis befasst hat. --Joachim Hohwieler
Kurzbeschreibung
Die Rekonstruktion des Filmklassikers von Fritz Lang "Metropolis" zählt zu den berühmtesten und einflussreichsten Filmen aller Zeiten. Doch kein anderer deutscher Film wurde so rigoros und systematisch zerstört wie Metropolis. Tausend Meter, über eine halbe Stunde, herausgeschnitten und weggeworfen, der Rest entsprechend zurechtgebogen. "Metropolis in/aus Trümmern" geht den Eingriffen nach, verfolgt die Spuren zurück zu der Premierenfassung und setzt deren Bilder, Texte, Töne neu zusammen. Das Buch ist mit über 200 Fotos, die direkt aus der Filmkopie herausfotografiert wurden, sowie mit vielen Standfotos und Notenbeispielen aus der Partitur illustriert. Die Aufführung einer neu rekonstruierten - aber nach wie vor bruchstückhaften - Fassung des Filmklassikers ist das spektakulärste Event der diesjährigen Berlinale.Enno Patalas gründete 1957 die Zeitschrift "Filmkritik", schrieb in den 60er Jahren außerdem vor allem für die "Zeit" und die "Süddeutsche Zeitung" und 1962 zusammen mit Ulrich Gregor eine Geschichte des Films. Von 1963 bis 1994 leitete er das Münchner Filmmuseum.
Über den Autor
Enno Patalas gründete 1957 die Zeitschrift "Filmkritik", schrieb in den 60er Jahren außerdem vor allem für die "Zeit" und die "Süddeutsche Zeitung" und 1962 zusammen mit Ulrich Gregor eine Geschichte des Films. Von 1963 bis 1994 leitete er das Münchner Filmmuseum.