"Metropolis" ist ein zeitloser, Genre-unabhängiger Film-Klassiker, das wird jeder Film-Historiker jeden Alters in jedem Winkel der Welt zu bestätigen wissen. Und jeder 'echte' Filmfreund sollte dies uneingeschränkt anerkennen können. "Metropolis" ist in vielerlei Hinsicht richtungsweisend für das (seit seiner Entstehung/Uraufführung 1926/27) zukünftige Kino gewesen und das gilt bis heute. Der erste Roboter der Filmgeschichte z.B. entstammt diesem Film, optische Anleihen (und gleichermaßen Homage) finden sich u.a. noch in "Blade Runner" und "Das Fünfte Element". Wie so oft allerdings, wenn es um die Kunst geht, wurde der Film zu seiner Zeit nicht sonderlich gefeiert, im Gegenteil: Diese Filmproduktion war in Deutschland die bis dato mit Abstand teuerste und brachte die UFA nahezu an ihren finanziellen Ruin, denn an den Kinokassen war "Metropolis" zunächst ein Flop. Die nächsten zwei Filme, die Regisseur Fritz Lang drehte, "Spione" & "Frau Im Mond" (beide ebenfalls tolle Filme) waren in ihrer Produktion deutlich kostengünstiger und wurden allgemein positiv aufgenommen. Von diesen Filmen haben heute viele gar keine Kenntnis. Als Fritz Lang's großer Klassiker aber gilt heute "Metropolis". Warum? Man kann wohl viel darüber spekulieren, jedoch unübersehbar ist Fritz Lang's - wie immer - erfolgreich umgesetzes Zusammenspiel der verschiedensten Komponenten, welches in "Metropolis" wohl seine höchste Vollendung gefunden hat. Visuelle Elemente des Expressionismus wurden kombiniert mit (für damalige Sichtweisen) nahezu futuristischen, gigantischen Großstadtkulissen und dort schweben bereits moderne "Gefährte" durch die Luft. Utopia pur! Aber auch ein biblischer/ein menschlicher Aspekt kommt nicht zu kurz: In einer Vision werden die 7 Todsünden aktiv (kameratechnisch brilliant inszeniert), die Hauptdarstellerin Brigitte Helm hat ihren Namen Maria mit Sicherheit nicht zufällig erhalten. Sie fungiert als eine Art "Mutterfigur", als eine Personifizierung der Barmherzigkeit, die mit ihrem festen Glauben an etwas Besseres unermüdlich den zahlreichen Arbeitern Trost zu spenden versteht, die unterirdisch, wie Roboter, hart arbeiten müssen, um die Mega-Maschinerie der Großstadt-Metropole am Laufen zu halten. Freder ist der Sohn des eiskalt kalkulierenden Großindustriellen, welcher dieses Utopia erschaffen hat. Und Freder begibt sich hinab in den "Hades" dieser vermeintlich paradiesischen Welt, um sein Weltbild zerstört zu sehen, als er dessen gewahr wird, wie sich die 'Subterraner' z.T. buchstäblich zu Tode schuften müssen, damit es den Menschen 'oben' gut geht. Natürlich muß er sich in Maria verlieben und dieses Paar fungiert letztlich als das 'Schlüsselelement', das sich zur Aufgabe macht, eine Nivellierung bezüglich Wohlstand und Mißstand herbeiführen zu wollen. Doch Freder's Vater gibt zuvor schon bei einem futuristischen 'Dr. Frankenstein' (wie immer großartig: Fritz Lang's Standard-Schauspieler Rudolph Klein-Rogge) einen Roboter in Auftrag, ein Abbild von Maria (Brigitte Helm meistert diese Doppelrolle ebenfalls großartig), eine fiesere, dunklere Version von Maria. Der Roboter nämlich soll von Maria's Einfluß auf die Arbeiter Gebrauch machen, nur - entsprechend vorprogrammiert - ganz andere Ideen propagieren ...
Kann es jemanden verwundern, daß Adolf Hitler fasziniert war von Fritz Lang's Vision? Lang wurde später (frühe 30er) von Dr.Goebbels zum Gespräch eingeladen, der auch bereits von seiner Verfilmung des nordischen Helden-Epos "Die Nibelungen" (ebenfalls ein toller Fritz Lang Film) angetan war und die Nazis boten ihm an, zukünftig sein Potential in den Dienst der Partei zu stellen und als Propaganda-Filmer tätig zu werden. Dieses "Angebot" und die Tatsache, daß die Nazis zuvor seinen Film "Das Testament Des Dr. Mabuse" (Klein-Rogge wieder voll in seinem Element!!!) verboten hatten - worüber Fritz Lang sehr verärgert war -, sollen für den Regisseur (so die Legende) das finale 'Zünglein an der Waage' gewesen sein, den Entschluß zu fassen und sich in einer Nacht-und-Nebel Aktion unverzüglich aus Deutschland zu entfernen. Die Rolle der Propaganda-Filmerin ging später bekanntlich an Leni Riefenstahl, Fritz Lang hingegen schrieb fortan einmalige Hollywood-Geschichte.
Doch obwohl Lang in Amerika einige hervorragende Filme drehte (in dreien verarbeitete er auch die Nazi/Kriegsthematik, seine besten allerdings sind 'Noir'-Filme), gab es nie wieder einen Film, der auch nur annähernd mit "Metropolis" vergleichbar wäre. "Metropolis" hat Sonderstatus!
Und das, auch aus einem heutigen Blickwinkel heraus, noch einmal aus gutem Grund: Bedenkt man, wie die Technisierung in den letzten Jahren voran geschritten ist und wie zeitgleich durch den Verlauf der Menschheitsgeschichte etablierte, moralische Ideale auf der Strecke zu bleiben scheinen, so gewinnt "Metropolis" noch einmal, gleichermaßen faszinierend, wie möglicherweise erschreckend, an Aktualität ... und der Film ist nun über 80 Jahre alt ... !
Zu Beginn dieses neuen Millenniums wurde "Metropolis" aufwendig restauriert und ist seither in einer ganz neuen, nie gekannten Bildqualität zu sehen. Diese Version wurde von der UNESCO offiziell zum Bestandteil des Weltdokumentenerbes erklärt und diese Version ist seither, durch Transit Film vertrieben, in einer schönen Edition käuflich zu erwerben. Zusätzlich gibt es eine Disc mit Bonusmaterial. Jeder Sammler hat sie bereits.
Dieselbe fantastische Version, dabei ohne das zusätzliche Bonusmaterial, ist nun auch in der Edition "Deutscher Film" erhältlich und das zu einem mehr als korrekten Preis. Diese Version empfehle ich all jenen, die sich dem Thema Stummfilm schon immer nähern wollten, bislang nur noch nicht recht wußten wie. Diese Version empfehle ich jedem, der sich "Metropolis" schon immer zu Gemüte führen wollte, sich bislang nur gegen den Preis der Transit-Edition gewehrt hat. Diese Version empfehle ich jedem, dem klar ist, daß eine alround gut sortierte Film-Sammlung ohne "Metropolis" gar nicht auskommen kann und der auf das Bonus-Material verzichten kann. Hey, Leute ... Das hier ist wirklich ein Schnäppchen!!! Günstiger wird man diesen Film-Klassiker (bei der Qualität) wirklich kaum bekommen können.
Noch etwas:
Bekanntlich ist in 2008 erstmalig zusätzliches Filmmaterial (ca. 20-30 Minuten) in Argentinien aufgetaucht. Und selbstverständlich wird es auch verarbeitet werden, so daß es früher oder später (konkreter Zeitpunkt bislang völlig ungewiß!) auf einer weiteren DVD Publikation der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird, dies, wie immer unter der Schirmherrschaft der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung. Enno Patallas, der 'erste Name' bei allen Restaurationsprojekten, die in der Vergangenheit bereits durch die Stiftung stattfanden, hat allerdings schon verkündet, daß es auch bei den allergrößten Bemühungen und unter strengster Sorgfalt ausgesprochen fraglich sein wird, ob das neugefundene Material annähernd in der gleichen hochwertigen Qualität präsentiert werden kann, wie diese, bislang vorhandene Version sie bereits bietet (der Film ist nämlich noch bis vor einiger Zeit in Buenos Aires vorgeführt worden, die Film-Rollen haben also nicht etwa, gut konserviert und eingelagert in einem Archiv, mehrere Jahrzehnte überdauert). Folglich wird die spätere Version eine für die Sammler werden, die mit den Qualitätsabstufungen innerhalb des Films leben können. Den geregelten Genuß beim Ansehen wird aber auch zukünftig nur diese Version bieten. Und gegenwärtig ist diese ohnehin das Non-Plus-Ultra. Also, bei dem Preis ... worauf warten ... ??? Zugreifen!!!
-- theSilentNoirFreak