"Metroland", basierend auf einem Roman von Julian Barnes, handelt von Chris Lloyd (Christian Bale), der im Jahr 1977 ein solides, sicheres, gefahrloses und zufriedenes Leben mit seiner Frau Marion (Emily Watson) im spießigen Londoner Vorort Metroland führt. Die beiden sind seit neun Jahren verheiratet, haben ein kleines Kind, ein nettes Haus, einen Volvo und damit eigentlich alles, was man für ein gutes mittelständisches Leben braucht. Doch als Toni (Lee Ross), einstiger bester Freund von Chris, nach fünf Jahren Abwesenheit wieder auf der Bildfläche auftaucht, beginnt Chris sein Leben zu überdenken. Toni ist ein wilder, ungebundener Typ, der einfach immer tut was er will und schon die halbe Welt bereist hat, womit er einen starken Kontrast zu Chris darstellt.
Der Film erzählt nun in Form von Rückblenden, wie aus Chris das wurde, was er früher eigentlich verabscheut hat. Als er noch Teenager war, träumte er von einem Leben als Künstler in Paris und konnte sich unmöglich vorstellen, später ein bourgeoises Leben zu führen. Wir sehen ihn als typischen jungen, idealistischen Mann, der tatsächlich eine Zeit lang in Paris seine Wunschvorstellungen auslebt und im französischen Lebensstil aufgeht, Fotos schießt und eine leidenschaftliche Beziehung zu Annick (Elsa Zylberstein) führt. In Paris trifft er dann irgendwann Marion und die beiden kommen zusammen, woraufhin das Leben für Chris unerwateterweise seinen geregelten Lauf geht.
"Metroland" ist ein Film, der besonders junge Menschen zwischen 18 und 30 Jahren ansprechen sollte, da er von zeitlosen Ängsten und Gefühlen handelt, die viele in diesem Alter durchmachen. Der Film fängt die Atmosphäre der 60er und 70er Jahre sehr atmosphärisch und mit viel Herz ein und die Darsteller kreieren höchst authentische und lebendige Charaktere, mit denen man sich prima identifizieren kann. Besonders sticht natürlich Christian Bale heraus, der ohne Frage zu den herausragendsten Darstellern seiner Generation und auch allgemein gehört. Er liefert eine tolle Performance, warmherzig und sympathisch. Auch Emily Watson spielt ihren Part gut, doch der Film gehört letzten Endes ganz klar der Figur von Chris und damit Bale.
Sicherlich ist der Film nicht außergewöhnlich inszeniert und kommt ästhetisch gesehen kaum über TV-Film-Niveau hinaus, die Thematik gab es auch schon öfter, aber darauf kommt es nicht an, denn die Geschichte ist einfach sehr gut erzählt, toll gespielt und verfügt über einen guten Soundtrack von Mark Knopfler, mehr braucht man eigentlich nicht. Für mich persönlich hat der Film einen Nerv getroffen und er reiht sich ganz klar zu den vielen tollen Darstellungen von Christian Bale ein. Wie viele andere Filme, in denen Bale mitgewirkt hat, ist "Metroland" leider kaum bekannt und wird selten erwähnt, was wirklich schade ist, somit handelt es sich hierbei wohl um einen Geheimtipp, den ich absolut weiterempfehlen kann.