"Das Bewusstsein ist eine Nussschale auf dem Meer des Unbewussten. Dieses Buch offenbart Ihnen Seite für Seite, Satz für Satz, Wort für Wort einen der vielen möglichen Wege, wie Sie die Wellen, Strömungen, Untiefen und Schätze dieses Meeres nutzen können, um in der Kommunikation Ihre Ziele zu erreichen." Soweit der Klappentext des vorliegenden Buches "Metaphern" von Franz-Josef Hücker.
Als Praktiker suche ich immer wieder nach neuen Impulsen, um die Kommunikation mit Gruppen und Einzelnen zu verbessern. Der besondere Wert guter "Geschichten" in Vorträgen, Präsentationen und im Verkauf sind mir schon lange klar. Von dem Buch erhoffte ich mir denn auch eine "Offenbarung", wie ich die Mechanismen des Unterbewusstseins besser nutzen könnte - genau so, wie im Klappentext versprochen.
Leider wurde ich enttäuscht. Das vorgelegte Werk beschränkt sich auf eine weitestgehend theoretische Abhandlung, Klassifizierung und Strukturierung der Metapher-bezogenen Aspekte von NLP.
Hinweis: Wer keine Ahnung hat von NLP (NLP = Neuro-Linguistische Programmierung) ist mit dem Buch sicher ohnehin überfordert. Hücker gliedert zwar immer wieder mal Elemente von NLP übersichtsartig auf, doch zweifle ich sehr, dass ein Neuling am Thema damit dann etwas anfangen kann. Ich selbst hatte vor Jahren mal einen 3tägigen Übersichtskurs, d.h. ich kann die Begriffe wenigstens grob einordnen.
Unter dem Kapitel 2: "Metaphern entwickeln und anwenden", erwartet der Leser nun wohl, dass erklärt wird, wie man eine Metapher "erfindet". Da wird er aber enttäuscht. Zunächst werden verschiedene Metaphern-Typen klassifiziert: Einfache Metaphern - Standpunkt-Metaphern - Komplexe Metaphern. Dann als alternative Typisierung: Isomorphe Metaphern - Imperative Metaphern. Dann, endlich, der Zwischentitel: "Isomorphe Metaphern entwickeln". Man hofft...
Doch auch dieser Abschnitt beginnt mit einem Satz: "Bevor Sie mit Metaphern arbeiten, prüfen Sie sorgfältig, wie dringlich die durch die Metapher angebotene neue Perspektive für den Adressaten sein wird....." Mit vielen Verweisen auf die Literatur wird der Leser mit solche "Vorüberlegungen" berieselt, bis dann - 3 Seiten weiter hinten - endlich der Satz folgt "Ist das alles mit Sorgfalt bedacht...", naja, jetzt sollte es endlich losgehen! Weit gefehlt. Nun kommt erst das "Metaphern-Modell nach Cameron-Bandler", das Kriterien aufzählt, welche bei der Konstruktion von Metaphern zu beachten sind.
Dann, doch noch, auf S. 62, zitiert Hücker aus einem Buch von David Gordon
Therapeutische Metaphern, dessen Werk das Vorgehen bei der Bildung von Metaphern inkl. Erläuterungen dazu enthalte. Hücker hat also das, was gemäss Klappentext der Kern seines Buches sein sollte, in total 14 Zeilen aus einem anderen Buch zusammengefasst.
Der Rest der 167 Inhaltsseiten sind drum und dran. Nicht völlig sinnlos, einiges sogar durchaus brauchbar (so z.B. der Hinweis, dass man sich von seinem eigenen Unterbewusstsein über Nacht im Schlaf eine Metapher entwickeln lassen kann, wenn man sich vor dem Schlafengehen die relevanten Punkte dazu nochmals bewusst macht und sich selbst den Auftrag gibt, am Morgen mit der Metapher aufzuwachen; S.67), aber keinesfalls den gemachten Versprechungen genügend.
Man wird als unbefangener Leser den Verdacht nicht los, es sei Hücker - gemäss Selbstportrait einer der Koryphäen des Deutschen NLP - primär darum gegangen, seine breite Literaturkenntnis und seine profunde Themenkenntnis darzustellen. Was man gesucht hätte, wäre eine hands-on, vernünftig verständliche Einführung in die Technik der Entwicklung und eine Anleitung zur Nutzung von Metaphern.
Fazit:
Ein wichtiges Thema leider sehr theoretisch, stellenweise sogar abgehoben behandelt. Schade. Den zweiten Stern gibt es für die verstreuten durchaus nützlichen "Zückerchen" in der ansonsten eher staubigen Buchstabenwüste.