Natürlich wird es wie bei jedem von Jarres letzten Alben wieder Kritiker geben, die mit seinem neuesten Werk überhaupt nichts anfangen können. Das sind meistens die Leute, die der Meinung sind, JMJ ist = Oxygene, Equinox & Co und nichts anderes. Man sollte aber nie den Fehler machen, ein aktuelles Album mit früheren zu vergleichen, sondern es objektiv für sich bewerten. Schließlich hat jeder Künstler das Recht, sich zu verändern - und Jarre ist das mit "Metamorphoses" hervorragend gelungen - nomen est omen!
Ich gebe zu, dass ich anfangs wegen der vielen gesprochenen bzw. gesungenen Passagen auch ein wenig erstaunt war. Bei näherem Hinhören war ich aber doch angenehm überrascht, da die Vokal-Elemente sehr geschickt in die Musik eingearbeitet sind (bis auf wenige Ausnahmen). Sie wirken also keinesfalls störend, sondern bereichern die Instrumentalstücke sogar noch. Dabei wechseln fetzige Rhythmen à la "Hey Gagarin" ab mit eher ruhigeren und meditativen Klängen wie "Millions of Stars" (wenigstens ein Tribut an oxygeniale Zeiten) oder "Silhou- ette", oder auch ethnischen wie in "C'est la vie". Und sogar Sharon Corr bringt mit ihrem Violinpart in "Rendez-vous à Paris" einen Hauch von celtic folk in die sonst eher futuristische Musik hinein. Wenigstens gibt es diesmal eine ganze Reihe von Stücken, die das Zeug zum Chartbreaker haben und so auch an eine breitere Öffentlichkeit gebracht werden könnten. So u.a. "Je me souviens" (erinnert an Robert Miles), C'est la vie" (erinnert an Ofra Haza), "Hey Gagarin", "Give me a Sign" (einziger "richtiger" Popsong) oder auch "Gloria, lonely Boy" (erinnert z.T. an die Titelmelodie aus "Das Boot"). Aber auch die übrigen Stücke sind gut anzuhören. Einzig "Tout est bleu" ist etwas lang geraten und gibt nicht besonders viel her; das Stück ähnelt eher einer durchschnittlichen Dance-mix-Version.
Alles in allem ist Jarre mit "Metamorphoses" trotzdem ein ausgezeichneter Vokal-Erstling gelungen.