Die Musik von Feist war noch nie für das schnelle Zwischendurchhören gedacht. Weit weg von "Konsummusik" konnte sich die Kanadierin in sämtlichen Sparten der Musikbranche platzieren. Wer sie kennt, würde niemals auf die Idee kommen, ihr Können zu bezweifeln, selbst, wenn es nicht dem eigenen Musikgeschmack entspricht. Diese Art von Reaktionen kann man auch jetzt zum neuen Release immer wieder wahrnehmen - zu Recht.
Feist hat einen eigenen Stil kreiert, der schwer in Worte zu fassen ist. Denn auch auf "Metals" vereinigt sie viele verschiedene Stile zu einer Platte, die letztlich wie aus einem Guss klingt. Dabei verlässt sie sich auf teils atemberaubende Arrangements, Stimmungswechsel in Songs selbst und auf ihre glasklare und immer noch so wunderschöne Stimme. Dennoch gibt es einige Änderungen auf ihrem neusten Werk. Die Leichtigkeit von "The Reminder", die zwischenzeitlich aufblitzte ("I feel it all", "1,2,3,4" oder "Past in Present") ist beinahe komplett verschwunden und wird durch etwas mehr Volumen in der Musik ersetzt. Das klingt an einigen Stellen echt dramatisch, ohne jemals für eine Sekunde in Kitsch, Pathos oder ähnlich plakativen Stimmungen abzudriften. Bestes Beispiel ist dafür die tollste Nummer von "Metals" - "Graveyard" - hier erlebt der Zuhörer in vier Minuten so unglaublich viel, von Tempowechseln bishin zu einer zwischenzeitlichen depressiven Stimmung bis am Ende locker leicht der Chor den Song hinten raus zum Ende führt.
"A Commotion" experimentiert mit einem pulsierenden Sound, der in den Strophen zugunsten von Feist zurückgeschraubt wird und zum Refrain wieder langsam aber stetig nach oben kraftvoll ausbricht. "The Circle married this line" fährt das Tempo zunächst etwas herunter, entlädt die Energie auch im zweiten Teil des Songs. Für wen das zu viele Änderungen sind, der ist bei "Bittersweet Melodies" bestens aufgehoben, wird doch hier ein Lied gespielt, was exakt in der Art und Weise einem Song von "The Reminder" entspricht.
Einzelne Songs jedoch herauszuheben, macht in Wirklichkeit wenig Sinn. Überall gibt es etwas Neues zu entdecken, wenn man denn genau hinhört. Sie hat erneut ein in sich vollkommenes Album geschaffen, was 4 1/2 Jahre Wartezeit beinahe vergessen macht. Wahrscheinlich bleibt sie ewig ein Geheimtipp in der so trendbewussten Poplandschaft, auch wenn mittlerweile der kommerzielle Erfolg nicht ausbleibt. Für den ganz großen Durchbruch fehlen einfach die Hits, wofür man tatsächlich dankbar ist. Denn diese wollen gar nicht so Recht in das Konzept der Platte passen, die sich so wie ein warmer Wintermantel, um die Ohren der Zuhörer legt, sofern man "Metals" die Zeit gibt sich zu entfalten.
Fazit: Leslie Feist bleibt die Königin der intimen Musik, die trotz einiger Veränderungen ihrem eigenen Still treu bleibt und damit erneut ein zeitloses Stück Musik veröffentlicht.