Der melodische Thrash der frühen Alben war legendär. "Set The World On Fire" war genial, aber vielen nicht hart genug. Die Alben im neuen Jahrtausend waren dann schon so heftig, dass manche Songs in Richtung Metalcore gingen; außerdem kamen sie trotz einiger Spitzensongs nicht ohne Füllstoff aus. Es dürfte kaum einen Annihilator-Fan geben, der jedes Album von Mastermind Jeff Waters, Bandchef und einzige Konstante inmitten vieler personeller Annihilator-Variablen, gleich gern hat. Nun hat die kanadische Highspeed-Riff-Präzisions-Legende anno 2007 mit Studioalbum Nr. 12 eine echte Wundertüte hervorgezaubert, die von ALLEN geliebt werden könnte. Die 55 Minuten von "Metal" sind die bis dato vielseitigsten in 18 Jahren "Anal-Inhalator" (Sorry, der musste sein!). Es gibt kaum einen Song, der blind durchläuft; immer wieder überraschen plötzliche Wechsel und Breaks. CHASING THE HIGH startet mit einem solchen Affenzahn, dass es selbst Slayer-Fans schwindlig werden dürfte - mittendrin ein balladenhaftes Zwischenspiel. Auch HAUNTED ist ein echter Angstmacher. Los geht es mit unglaublich schnellen, göttlich präzisen, düstersten Tempo-Riffs, umwerfend tight über donnerndem Double Bass. Die Strophe ist druckvoll und heavy und dennoch melodisch, im Chorus wird brutal geshoutet - Sänger Dave Padden beweist auf seinem zweiten Album mit Annihilator seine enorme Vielseitigkeit und hängt seinen schwächelnden Vorgänger Joe Comeau meilenweit ab. Aber dann folgt ein Break mit schaurig mysteriösen Clean Gitarren und plötzlich setzt ein galoppierender Rhythmus mit einem hymnischen, mitsingbaren Gitarrensolo ein. Iron Maiden lassen grüßen! Ein B-Part mit melodiösem Gesang, rein ins nächste, sich schön steigernde Solo... und dann wird wieder kontrolliert geknüppelt. 8 Minuten dauert das Ganze und man kann beinahe von einem epischen Song sprechen, wow. Auch DOWNRIGHT DOMINATE überrascht mit unerwarteter Vielseitigkeit, vom apokalyptischen Mid-Tempo-Doublebass am Anfang über tosende Gewitterstürme im brachialen Chorus bis hin zum aufgelockerten Rhythmus im Solopart. Das melodiegeprägte SMOTHERED könnte auch gesangstechnisch glatt vom 1993er-Album "Set The World On Fire" stammen, ebenso wie der eingängigste Song des Albums, der straight rockende und unerhört groovende Ohrwurm COUPLE SUICIDE, bei dem sich am Mikrofon zwei Gäste austoben, Angela Grassow von Arch Enemy und Danko Jones. Außerdem gibt es noch einen weiteren Song, den nicht Dave Padden singt: bei der neuen Bandhymne OPERATION ANNIHILATION greift Jeff Waters selbst gewohnt aggressiv zum Mikro und haut gleich noch den legitimen Nachfolger zum Song "Set The World On Fire" raus. Nicht nur die "Fire! Fire!"-Rufe am Schluss erinnern an den Klassiker, sondern auch der markante Chorus, bei dem die Lead Gitarre "mitsingt" - wer einmal kurz reinhört, weiß, was ich meine. CLOWN PARADE dürfe dann auch noch mit seinem fast mechanisch wirkenden Drive und markanten Harmonien, die sich von druckvoller Heaviness kein bisschen in den Hintergrund drücken lassen, den "King Of The Kill"-Fans Tränen in die Augen treiben. Und dass Jeff Waters ein lustiger Typ ist, weiß man ja schon seit dem "Never, Neverland"-Song "Kraf Dinner" (1990), rund um die Zubereitung eines Nudelgerichts. Mit ARMY OF ONE gibt es wieder einen Song mit einem fetten Grinsen im Gesicht. Im Manowar-Stil besingen Annihilator den nicht tot zu kriegenden Heavy Metal - das dürfte eine tolle Live-Hymne werden. Alles in allem reiht sich mit "Metal" endlich wieder ein Album in die großen Annihilator-Meisterwerke ein. Es ist gnadenlos heavy, dabei aber viel melodischer als seine Vorgänger und vielleicht die komplexeste und abwechslungsreichste Scheibe in der Bandhistorie. Jeff Waters beweist seine Spitzenklasse als Metal-Songwriter; einen schwachen Song gibt es nicht - jeder einzelne besitzt sogar markante Wiedererkennungsmerkmale. So beginnt KICKED gleich mit vordergründigen Basslines und DETONATION mit einem kleinen Drumsolo des großartigen MIKE MANGINI (u.a. auch für Steve Vai hinter der Schießbude), der zusammen mit Riff-Maschine Waters einen großen Anteil daran hat, dass das Album technisch mit zum feinsten gehört, was der straighte Metalbereich anbietet. Als besonderen Kick lässt Waters noch neun Gastsolisten frickeln, was das Zeug hält: Corey Beaulieu (Trivium), Alexi Laiho (Children of Bodom), Michael Amott (Arch Enemy), Jeff Loomis (Nevermore), William Adler (Lamb of God), Anders Björler (The Haunted), Jesperr Strömblad (In Flames), Jacob Lynam (Lynam) und Steve "Lips" Kudlow (Anvil). Ab dem ersten Tag ein Klassiker!