Ein Frage die sich mir im Laufe der letzten Tage, nach Veröffentlichung von "Stalingrad", immer mal wieder stellte. Wieso? Nun, bei jeder neuen Veröffentlichung eines Albums, irgendeiner Band, werden von allen möglichen Leuten, Bezugspunkte gesucht, zur künstlerischen Vergangenheit, um das neue Werk irgendwie einordnen zu können. An sich kein Problem, wenn man Vergleiche anstellt, nur läuft man da hin und wieder Gefahr in Nostalgie zu verfallen.
Aus mir nicht weiter nachvollziehbaren Gründen taucht im Falle Accept ihr 1985 erschienenes "Metal Heart" oft auf, um als "Klassiker"- Maßstab zu fungieren. Für mich ist das aber ein klassischer Fall von "Früher war alles besser"-Verklärung. Hab ich mir jedenfalls gedacht, vor allem nachdem ich mir das Album noch einmal, nach längerer Zeit, wieder öfter angehört habe und bei meiner jetzigen Rezension, in seine Einzelteile zerlege, um das mal ausführlicher zu begründen.
Wir schreiben das Jahr 1985 und die "New wave of british heavy metal" rauschte gerade durch die Welt und machte auch vor Germanien nicht halt. Was für ein Glück dann auch noch mit Accept eine Band in Deutschland zu haben, die seit "Breaker" 1981 und mit schöner Regelmäßigkeit, genau in diesem Genre, ordentlich Wasser auf die Metal-Mühlen gab, um die Welle hoch zu halten. "Restless and wild", 1982 und "Balls to the Wall" 1983, zählen auch für mich immer noch zu den besten Alben in dieser Zeit. Mit "Metal Heart" sollte es für Accept, in diesem Umfeld jedenfalls, einen weiteren Meilenstein geben,aber daraus wurde nichts. Meine Meinung.
Konkret. Zwar kann "Metal Heart" mit dem Titelsong einen guten, ach was schreibe ich, Spitzen- Auftakt feiern, weil man es hinbekommt diesem Stück Atmosphäre, Power, Chöre, Mitgröhl-Part "Metal Heart" (was sowieso jedem Metal-Fan gefallen MUSS) und dann setzt noch dieses genial eingearbeitete "für Elise"-Element, dem Ganzen die Krone auf. Nun, das ist der frühest mögliche Höhepunkt und dann kann man zwar kaum eine Steigerung erwarten, aber was dann wirklich folgt ist, aus heutiger Sicht, eher ernüchternd.
"Midnight mover" ist fast schon ein Popsong, der sich zwar anhören lässt, aber ist er doch völlig uninspiriert daher gedudelt und besticht allenfalls dadurch, dass sich das Songwriting als völlig vorhersehbar herausstellt. Mit einer kleinen Soloeinlage im hinteren Teil, aber nichts was dem Song noch etwas essentiell Wichtiges gibt und ihn auf irgendein gehobenes Niveau bringt. Füllt nur das Album mit ein paar Minuten tonaler Langeweile.
"Up to the limit" kommt fast noch schlichter daher. Ein einfallsloses Riff, ein paar Solo-Einlagen im Mittelteil, aber im Grunde völlig uninspiriert mit 08/15-Charakter. Dirkschneider brüllt sich einen ab aber das rettet gar nichts. Kann man getrost unter dem nächsten Lückenfüller verbuchen, wie schon "Midnight mover".
"Wrong is right" geht mal etwas besser ab, da die Geschwindigkeit anzieht und die Gitarrenarbeit, im Mittelteil, doch recht gefällig daher kommt. Der Arschtritt war albumtechnisch auch bitter nötig, aber was darauf folgt, nenne ich schon peinlich...
"Screaming for a love-bite" nennt sich das Grauen Teil 1. Völliger Total-Ausfall über den man gerne den Mantel des Schweigens decken würde. Bisschen Midtempo, im Mittelteil ein sehr bescheidenes Solo und der Refrain (bei dem Text auch kein Wunder) ein absolut peinlicher Schrott und unwürdig mitgesungen zu werden. Dass dieses Stück sich auch noch auf diversen "live"-Veröffentlichungen befindet, macht es nicht besser, sondern lässt mich eher zweifeln an den Köpfen von Accept die scheinbar meinen, das wäre ein unverzichtbarer Hammersong. Ist er aber bei weitem nicht...skip...
"Too high to get it right" soll dann wieder Blut ins stillstehende Metallerherz pumpen, was aber bei dem nächsten Lückenbüßer jetzt die Wertung für dieses Album endgültig runterreißt. Ein wieder mehr als uninspiriertes Stück, welches sich nur dadurch positiv abhebt, weil der "Screaming"-Schock erst noch verarbeitet werden musste. Ansonsten bleibt auch bei diesem Stück festzustellen, dass es nicht viel zu bieten hat. Banaler Songaufbau mit einem gegen das kompositorische Elend anschreienden Udo Dirkschneider und wieder belanglosen Solo-Einlagen im Mittelteil. Ich nenne das langweilig und überhaupt wirkt das Songwriting eher wie aus verschiedenen bewährten Elementen zusammengeschustert und eben überhaupt nicht organisch, wie noch auf "Balls to the wall".
"Dogs on leeds" beginnt vielversprechend mit einem trockenen Bass und entwickelt sich, bis zum Refrain, zu einer sich steigernden Mitgröhl-Nummer. An und für sich mal etwas Abwechslung, wobei der Song noch recht gelungen ist, da er etwas Atmosphäre erzeugt. Auf jeden Fall einer der besseren Titel auf diesem Album, obwohl Der wohl eher, wegen der anderen schwachen Titel, besser wirkt als er eigentlich ist.
"Teach us to survive", mit seinen schneidenden Gitarren, geht eigentlich auch in Ordnung. Songaufbau auf jeden Fall originell und auch das Solo im Mittelteil weiß zu gefallen. Einer meiner Favoriten auf "Metal Heart".
Das Grauen Teil 2, nennt sich "Living for tonite". Wieder fragt man sich wieso solch einfallslose Rohrkrepierer sein müssen?! Völlig beschissener Song der wirklich nichts zu bieten hat außer einem billigen Riff, einem Schlagzeug welches sich hier mal besonders eintönig und steril anhört und einem Dirkschneider der humorlos "living for tonite" einfach in die Welt rausbrüllt. Ich kann da jedenfalls keinen Spaß dran entwickeln, beim Hören. Da ist einfach keine Inspiration vorhanden, sondern Jemand hat sich dort was zusammengebastelt, weil so eine LP ja nicht nach einer knappen halben Stunde zu Ende sein kann.
Mit "Bound to fail" wird zumindest wieder ein höheres Niveau erreicht, welches man gerne öfters auf dem Album gehört hätte. Knalliger Beginn und zum Schluss noch ein schönes Solo, welches dann in einem orchestral angehauchtem Abgang mündet. Zumindest ist das Ende würdig auf einem Accept-Album drauf zu sein.
Ein weiterer Punkt der dieses Album ausmacht ist die Produktion, die klingt als wäre das Album komplett in der Retorte entstanden. Zumindest hört es sich recht steril an und war nicht nur soundtechnisch, gegenüber einem "Balls to the wall", ein krasser Rückschritt und auch aus diesem Grund, mitnichten, ein Klassiker des Genres für mich.
So, dann habe ich mir und aus aktuellem Anlass, den vermeintlichen "Klassiker" völlig zerrissen, obwohl ich seit Jugendtagen Fan dieser Band war und bin. Ich stelle fest, Früher war nicht alles besser als heute und schon gar nicht muss man immer so tun, als wäre jedes ältere Album automatisch der "Klassiker" an dem sich die Neu-Werke messen lassen müssen. Ab und zu sollte man vielleicht mal den Spieß umdrehen, die Nostalgie-Brille absetzen und die "Klassiker" an den neuen Werken messen. Dann komme ich bei Accept zu dem Ergebnis, dass ein "Stalingrad" und auch ein "Blood oft he Nations" sich ganz weit oben in der historischen Bewertung bewegen.
Auch ohne einen Udo Dirkschneider dessen Stimme zwar immer als das Zentralorgan von Accept wahrgenommen werden wird, aber die eigentliche und entscheidende Stimme bei Accept, spielt Gitarre und hat die Initialen W.H. und ist aus dieser Band wirklich nicht wegzudenken.
Für "Metal Heart" bleiben, für mich, aus den oben ausführlich beschriebenen Gründen gerade noch 2 Sternchen übrig. Das klingt hart aber ohne Nostalgie-Punkte bleibt da, in meinen Ohren, nicht mehr drüber. Zu viele Alben in zu kurzer Zeit haben das sicher damals verursacht, das kann zwar als Entschuldigung gelten, qualitativ besser wird es dadurch, nun rückblickend, aber auch nicht mehr.