Neben der Final-Fantasy-Serie und anderen Japano-RPG-Reihen wie Star Ocean steht Metal Gear Solid im Olymp der Videospielsoundtracks in guter Gesellschaft. Diese erlauchten Weihen hat MGS in dem Moment bekommen, als Harry Gregson-Williams für den Soundtrack des zweiten Teils Sons of Liberty verpflichtet worden ist. Seine Neuinterpretation des Titelthemas ist mittlerweile legendär.
Gregson-Williams ist auch hier bei Teil 3 wieder mit von der Partie, und es hat sich nicht viel geändert (zum Glück). Neben einem neuen atemberaubenden Titelstück (zu einem nur geringfügig veränderten Titelthema tritt ein spannendes neues Thema, dessen Aftritt im Titeltrack leider auch der einzige ist) ist es seine Musik, die den Zwischensequenzen den Kinoflair verleiht, der die MGS-Reihe berühmt gemacht hat. Im Gegensatz zu MGS2 ist (passend zur Story) der Techno-Anteil etwas zurückgeschraubt worden, und, so seltsam es klingen mag: Der Score hat mehr Herz. Nachdem der zweite Teil außer dem Titelthema kein wirkliches Gänsehautstück mehr zu bieten hatte, bringen Stücke wie "Life's End" und "Debriefing" wieder das gewisse Etwas rein, das man seit "Enclosure" aus dem ersten Teil vermisst hatte. Apropos "back to the roots": Nach dem doch etwas belanglosen "Can't Say Goodbye to Yesterday" aus SoL findet Snake Eater mit "Snake Eater", einer toll gemachten Hommage an die Titelsongs der James-Bond-Filme der 60er, und "Way to Fall", einem tollen, melancholischen Abspannlied, dessen Lyrics jedem MGS-Kenner ein wissendes Lächeln auf die Lippen zaubern wird, wieder zu den Stärken des ersten Teils zurück.
Wer jedoch denkt, dass die hohe Qualität des Soundtracks allein Harry Gregson-Williams zu verdanken ist, liegt falsch: Für den Großteil der In-Game-Tracks gehen auf das Konto des japanischen Konami-Hauskomponisten Norihiko Hibino, dessen Musik mit ethnischen Percussions und Buschflöten eine gelungene Dschungelatmosphäre aufbaut.
Solid kann's nicht ohne Liquid geben, deshalb nun zu den Schattenseiten: Da wäre zum einen die sogenannten Healing-Songs am Ende jeder CD, die allesamt der damaligen Popmusik machempfunden sind und meiner Meinung nach trotz der Authentizität und dem Bezug auf die Epoche doch einen Fremdkörper darstellen und den Hörfluß stören. Jedoch sind die Songs jeweils am Ende der CD, was oben genanntes Problem etwas relativiert. Zum anderen ist da natürlich der Hammerpreis, der angesichts eines Japan-Imports bei der Lieferzeit jedoch normal ist.
Letzten Endes kann ich jedem der die Musik des 2. Teil mochte, diese CD nur empfehlen, schon allein deswegen, weil sich Konami dieses Mal nicht hat lumpen lassen und eine 2-CD-Fassung des Soundtracks herausgebracht hat. Mit über 140 Minuten Spielzeit (selbst ohne Healing-Musik, die aber im Gegensatz zu den Songs von gewissen Filmsoundtracks zumindest noch im Spiel vorkommen bzw. zugänglich sind, sind es immer noch satte 110 Minuten) gibt es auf jeden Fall genügend Pro-Argumente, die den auf den ersten Blick hohen Preis rechtfertigen.