Am meisten zu loben ist diese wunderbare Einspielung dafür, dass sie einen so noblen, kammermusikalischen Ton anschlägt, und damit in sehr einfühlsamer Weise der Intention des Werkes gerecht wird, eine Meditiation über das Wirken des Erlösers durch die Zeiten darzustellen (im Unterschied zu manchen anderen Oratorien Händels die eine Handlung von opernhafter Dramatik erzählen). Gerade anhand des Messias hat sich ja eine unselige Aufführungstradition verbreitet gehabt, die durch Riesenbesetzungen und Lautstärke imponieren wollte. Wenngleich Händel selbst an dieser Tradition nicht völlig unschuldig war, kann man darüber (heute) nur den Kopf schütteln: Gerade der Messias ist ein Oratorium, das durch seine Arien glänzt (wiederum sehr im Unterschied zu chorlastigen Werken wie zB Israel in Egypt). Dies wird in Gardiners Aufnahme vorbildlich herausgearbeitet. Der Chor ist klein besetzt, so dass er mit den Solisten in echten Dialog treten kann und ihnen nie die Show zu stehlen versucht. Der Chor hier ist überhaupt wunderbar zu hören, so flexibel, fein und ungeheuer präzis, wie man es mit einem der traditionell großgeratenen Ensembles prinzipiell nie könnte. Also wie gesagt eine kammermusikalische Qualität in dieser Aufführung, die einen nichts anderes mehr für angemessen halten lässt wenn man sie einmal gehört hat.
(Ich habe zwar kleine Vorbehalte gegen den Countertenor der auf dieser Aufnahme zu hören ist, da gäbe es heutzutage klarere und kraftvollere Stimmen, aber auch dies trübt nicht den hervorragenden Eindruck dieser Aufnahme).