Wenn Messi-Fans meine Kritik an diesem Buch nicht nachvollziehen können, kann ich das teilweise verstehen. Denn da es leider keine bessere Alternative gibt, fehlt ihnen auch der Vergleich mit einer guten Biographie. Und darunter verstehe ich ein Buch, das mit Einblick in die Gedankenwelt einer Person gibt, mich in ihre Nähe führt und an ihren Höhen und Tiefen teilhaben lässt. Aber genau das darf man vom Werk des italienischen Sportjournalisten Luca Caioli nicht erwarten.
Da sich Lionel Messi selber äußert selten zu seinem Leben äußert, mit Büchern ohnehin nicht viel anfangen kann und sich außerhalb seiner Familie ohnehin unwohl fühlt, muss sich Luca Caioli sein Bild von Messi aus Interviews mit Dutzenden von Personen und Berichterstattungen über Messis Fußballspiel zusammenbasteln. Das würde mich allerdings nicht stören, wenn Caioli aus diesen Einzelteilen etwas geformt hätte, das die Leser als in sich schlüssige Geschichte wahrnehmen könnten. Doch das ist natürlich nicht der Fall, wenn ich bei jedem Interviewpartner lese, dass Messi ein schüchterner und bescheidener Ausnahmefußballer ist, der vor Glück strahlt, wenn er auf dem Platz steht und beim Abpfiff gewonnen hat.
Von Personen, die Messi nahestehen und ihn auf seinem bisherigen Weg in der einen oder anderen Form begleiteten, erwarte ich nicht, dass sie ihr Verhältnis zu Messi durch Geschwätzigkeit oder unautorisierte Einblicke in sein Leben aufs Spiel setzen. Aber es muss doch im Umfeld dieses Superstars auch Menschen geben, die Substanzielleres zu seiner Biographie beitragen können. Und einige Statements fand ich so platt und nichtssagend, dass sie mich an eine Sammlung dummer Sprüche von bekannten Fußballern erinnerten.
Seine guten Beziehungen aufs Spiel zu setzen, vermeidet auch Luca Caioli tunlichst. Daher hakt er bei unangenehmen Fragen auch nie nach und gibt sich mit den sattsam bekannten Formulierungen im Stile der Pressesprecher zufrieden, wenn es unangenehm werden könnte. Daher erfährt der Leser auch nichts über die unzimperlichen Geschäftsgebaren der großen Sportartikelhersteller oder die Machtansprüche und Kleinkriege mächtiger Organisationen und Vereine. Wenn aus all den Interviews durchschimmert, dass Messi auch ein guter Mensch sei, bezweifle ich das nicht. Aber wie der zur Legende gewordene Junge seine Charaktereigenschaften trotz seines neuen Umfelds bewahren konnte, wäre noch viel beeindruckender, wenn Luca Caioli dieses Umfeld realistischer schildern würde.
Mein Fazit: Wer gerne Zahlen, Namen und Fakten hat, kommt bei Luca Caioli voll auf seine Rechnung. Aber da offizielle Berichterstattungen von Sportanlässen und die üblichen Interviews mit Promis nicht gerade spannend sind, ist es auch dieses Buch nicht. Fußball interessierten, die nicht verstehen, was ich meine, empfehle ich die Lektüre von Maradonas Biographie "El Diego. Mein Leben".