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Messer
 
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Messer [Gebundene Ausgabe]

Till Lindemann , Gert Hof
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (36 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Rote Striemen auf weißer Haut/Ich tue dir weh und du jammerst laut/Jetzt hast du Angst und ich bin soweit/Mein schwarzes Blut versaut dir das Kleid." -- Die Songtexte von Rammstein sind noch nie etwas für zart Besaitete gewesen; die martialischen Lyrics spalten seit Jahren das Land in größte Fans und entsetzte "Sind wir schon wieder so weit?!"-Mahner. Eines jedenfalls wurde schnell deutlich: Die Rammstein-Welt besteht nicht aus den Elementen Wasser, Feuer, Erde und Luft. Ihr finsteres Paralleluniversum ist vielmehr aus Blut, brennendem Fleisch, Friedhofserde und Leichengeruch aufgebaut.

Und nun das Ganze pur, ohne die metallische Vorschlaghammermusik, die immer mehr nach Werkshalle als nach Tonstudio klang: Till Lindemann, Sänger und Texter von Rammstein, hat einen Band mit rund 50 Gedichten herausgebracht, in dem man intensiv in seine Welt aus Blut, Schmerz, Tod, Sex und irgendwie auch Liebe hineintauchen kann. So ganz losgelöst von den Rammstein-Klängen sind die Gedichte freilich nicht Man kann kaum verhindern, dass sich Zeilen wie "Ich steche mir die Augen aus/ohne Fenster ist das Haus/schlag mir schön den Schädel ein/dann schneit es und mein Hirn friert ein" im Kopf des Lesers ganz automatisch anhören, als würde Lindemann selbst sie mit seinem gerollten R und seinem rhythmischen Sprechgesang vortragen.

Manche Gedichte entführen den Leser weit heraus aus der dunklen Rammstein-Welt, und das sind vielleicht die schönsten, die privatesten Texte. Einige Gedichte sind aber auch unfreiwillig komisch geraten: Die Sex-Fantasie "Fütter mich" beginnt mit den schönen Zeilen "Gib mir Namen so von Tieren/ich heb das Bein zum Urinieren". Und auch über das -- die eigenen Hautprobleme beklagende -- Gedicht mit dem Schluss "Ich bin einsam doch nicht allein/Akne und Rosazea werden immer bei mir sein" muss man eher schmunzeln.

Begleitet werden die Texte von einer Serie interessanter Fotos: Lindemann mit glatt rasiertem Schädel, bleichem Gesicht (Akne und Rosazea schön überschminkt) und im Ganzkörper-Kondom posiert zwischen nackten Schaufensterpuppen. Das sind ungewöhnliche Bilder, die sich mit den nicht minder ungewöhnlichen Texten zu einem Gesamtkunstwerk fügen, das nicht jeder lieben wird -- aber das war ja noch nie Lindemanns Absicht. --Christoph Nettersheim

Kurzbeschreibung

Till Lindemann, Lead-Sänger der weltweit erfolgreichen Gruppe Rammstein, ist ein Mann mit vielen Talenten. Neben den Texten für seine Band verfaßte er in den letzten Jahren auch Gedichte, die in diesem Band erstmals erscheinen.

Wer die Musik und Till Lindemanns Songtexte kennt (spätestens seit David Lynch die Musik für seinen Film Lost Highway entdeckte, sind Rammstein internationale Stars), wird in manchen Gedichten Sound, Stimmungen und Ästhetik der Gruppe wiedererkennen - sicher aber auch durch die ganz eigene Atmosphäre seiner Lyrik überrascht werden.

Der Verlag über das Buch

Gedichte und Fotos, herausgegeben von Gert Hof. Durchgehend vierfarbig illustriert mit Fotos von Jens Rötzsch.

Über den Autor

Till Lindemann , geboren in Leipzig. 1974 Kinder- und Jugendsportschule, 1974-1980 Leistungssport (Schwimmen), 1974-1977 Internat, 1979 Lehre als Bautischler, 1984 Arbeit als Stellmacher, Zimmermann, Korbmacher und Galerietechniker. 1986 Schlagzeuger in einer Schweriner Punkband. 1994 Umzug nach Berlin. Gründung der Gruppe Rammstein, seitdem Sänger und Textdichter der Gruppe Rammstein.

Gert Hof, geboren 1951, lebt in Berlin. In der DDR als Theater-Regisseur mit Berufsverbot belegt, 2 Jahre in Bautzen inhaftiert und mit Ausweisung bedroht, ist inzwischen »einer der gefragtesten Licht- und Pyrodesigner der Welt« (Tagesthemen) und wurde mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet (u.a. mit dem MTV European Music Award für seine Regie der Rammstein-Auftritte).

Auszug aus Messer. von Till Lindemann. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

VORWORT
Poesie ohne Rückkehr
Vor der Entscheidung, zum Frühstück Benzin oder frischgepreßten Orangensaft zu trinken, steht man relativ selten. Doch schon beim Nachdenken über diese Alternative beginnt man, sich einen Schritt von der Normalität zu entfernen. Ich denke die Entscheidung würde leichter fallen, wäre der Kellner, der diese Frage stellt: Raskolnikow. Lindemann hat sich entschieden.
Irgendwann im Herbst 1995 bin ich Lindemann das erste Mal begegnet. Es war kein normales Gespräch, eher vorsichtig. Lindemann hatte etwas Besonderes: Man konnte mit ihm schweigen. Es entstand dabei kein Druck, sondern eher eine stille Übereinkunft über eine Sehnsucht, die man nicht zu artikulieren braucht, sondern tief im Blut trägt. Es war ein Anfang. Monate später zeigte mir Lindemann seine ersten Gedichte - ein Vertrauensbeweis.
Beim Lesen merkte ich schnell, daß diese Gedichte nicht zwischen Gottfried Benn und Wladimir Majakowski einzuordnen sind, auch nicht woanders. Es sind Gedichte von Till Lindemann. Anfang dieses Jahres hatten wir die Idee, aus den Gedichten ein Buch zu machen. Die Gedichte entstanden zwischen 1995 und 2002. Aus den über tausend Gedichten habe ich die hier veröffentlichten ausgewählt. Die Gedichte erscheinen hier erstmals - eine Weltpremiere. Ich hätte sie gern alle veröffentlicht - die anderen werden folgen, später.
Die Fotos sind eine in sich geschlossene Kunstwelt - eine Theaterinszenierung, Basis dafür waren die Gedichte. Die Fotografien sind ausschließlich für diesen Gedichtband entstanden und werden hier das erste Mal veröffentlicht. Eine Begegnung einer Kunstfigur mit anderen Kunstfiguren in einer artifiziel-len Welt. Eine Reise in eine fremde, seltsame Landschaft. Die Fotos sollen nicht die jeweiligen Gedichte illustrieren. Fotografie und Gedicht ermöglichen eine neue, subjektive Betrachtungsweise. Die Gedichte sind wie ein Riß, der durch die Realität geht. Sie erzählen von Situationen, die oberhalb oder unterhalb der gewohnten Zimmertemperaturen sind. Lindemanns Gedichte sind verbale Hinrichtungen, poetischer Suizid, sie gleichen einem Fallbeil aus Worten. Es sind Wunden aus Verzweiflung und Hoffnung. Fluchtgedanken voller Einsamkeit aus einem Herz voller Mut und Sehnsucht geschossen. Ein Florett gegen das Mittelmaß, gegen die Verlogenheit. Eine lyrische Abrechnung, eine Vollstreckung.
Lindemanns Lyrik kann und soll keine Lösung für Probleme sein. Sie kann Fackel sein; für einen Moment kann sie die Nacht zerschneiden, wie ein Lichtskalpell - mehr nicht und doch so viel. Diese Gedichte sind ihr eigener Feind. Die moralische Überlegenheit besteht darin, daß sie für den Einzelnen keine Hoffnung haben. Vielleicht können sie Schmerz vermitteln - der einzige Kamerad, der ein Leben lang die Treue hält.
Die Gedichte beschreiben die Struktur der Angst, den Verbrennungsgrad der Träume und die Zerstörung menschlicher Beziehung - eine Materialsammlung aus Leidenschaft. Diagnosen der Stille, sie erzählen von Kammern, in denen man Vergangenheit verschlossen hat. Kriegsschiffe im Aufbruch gegen die Flut der gebrochenen Himmel in uns.
In einer Zeit, in der die deutsche Gegenwartslyrik zu einem pseudointellektuellen Doppelbären im Zwickauer Zoo verkommen ist, wirken die Verse von Lindemann wie ein Sturm aus Flammen, der hoch aus dem Norden über eine Oase aus Nacht fegt. Sprengsätze voller Kompromißlosigkeit und Kraft aus einem organischen Herzschrittmacher. Es sind Tunnel aus den Schreien verbrannter Zeit. Ein moderner Exorzismus, der uns zu den Venen unserer Seelen führt. Echos, gemeißelt in die Wände unserer Schmerzen. Poesie ohne Rückkehr, die sich wehrt.
Lindemann erzählt von Wunden in den Zeiten des Verrats. Wie in einem Blutkessel werden die Wörter lebendig gehäutet. Als wären die Stimmbänder mit Hammer und Schere zerschnitten im Steinbruch des Herzens. Wie könnte man anders schreiben, wenn man auf der Netzhaut die Nagelspur als Stigma trägt.
Wir wären, auch die deutsche Lyrik, ohne diese Gedichte ärmer. Wie durch ein offenes Fenster weht die Kraft der Verse und entfacht in uns die gelöschten Feuer. Lindemanns Gedichte sind selbstbestimmt, ohne Eitelkeit, ohne Opportunismus, ohne Feigheit. Lindemann ist ein redlicher Denker, ein treuer Mensch, ein treuer Freund. Für Dein Vertrauen und Deine Freundschaft danke ich Dir.
Gert Hof
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