Also ich bin ein lyrisch (auch in Gedichtform) sehr wohl bewanderter Mensch. So bin ich begeisterter Leser von Heinrich Heine, Berthold Brecht, Gottfried Benn, Johann Wolfgang von Goethe, Hermann Hesse und Konstantin Wecker,welchen ich auch für einen genialen Lyriker halte. Und ich finde sehr wohl, dass Lindemanns Buch ein lyrisches Werk ist, lieber Herr Lehmann. Denn Lyrik ist ja nur die individuelle Kunst einer Person mit Sprache umzugehen und das kann man einfach nicht objektiv bewerten. So muss auch abstrakte Kunst und Kunst, die man nicht versteht, trotzdem als Kunst angesehen werden. Oder sollen wir es uns wieder, wie die Nazis, herausnehmen jede Kunst, die wir nicht verstehen, als schlecht zu werten ?
Nun aber zu dem Buch selbst: An seinen Vater widmet Till Lindemann dieses Buch,dass irgendwie eine merkwürdige Faszination auf den Leser ausübt, denn es nimmt einen vom ersten Moment an gefangen. Bestes Beispiel: Ein Freund von mir (welcher Rammstein überhaupt nicht mag), konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Manche Absichten, Gedanken, Themen lassen sich erst bei mehrmaligen Lesen erschließen. (Z.B. Missfall (Vergewaltigung), Andacht (Sexpraktiken mit einem Huhn) und Da saß es ! (Kinderschänder)). Aber egal wie bizar der Mensch sein kann und welche dunkelen Abgründe er hat: Lindemann ergründet sie. Und wie ein Fallbeil zerschneidet Lindemann mit seinem "Messer" die (angebliche) Realität der Biedermanngesellschaft und lässt den Leser im wahrsten Sinne des Wortes durch die Hölle gehen. Wahrlich ein Buch, was zwar nicht von jedem verstanden wird, aber, vielleicht gerade deshalb eines ist: Ein Meisterwerk !
Nur für labile und zu sensibele Menschen ist dieses Buch vielleicht nicht geeignet.
Die besten Gedichte sind:
1. Nebel
2. Fernweh
3. Nele II
4. Da saß es !
5. Freiheit
In diesem Sinne: Bitte fortsetzen, Herr Lindemann !