Aus der Amazon.de-Redaktion
Sein Bruder Ignaz nannte die Vertreter der katholischen Kirche "dummköpfige Bonzen" und Franz Schubert selbst bekannte, dass er sich "zur Andacht nie forciere" -- was im erzkatholischen Wien seinerzeit recht mutig war. Das geistliche Werk nimmt in seinem Schaffen zwar einen eher kleinen Raum ein, dennoch sind Schuberts Messen von aufrichtiger und eindringlicher Kraft. An der Partitur der Missa solemnis in As-Dur feilte er besonders lange. "Ich habe die Idee, sie noch dem Kaiser oder der Kaiserin zu widmen, da ich sie für gelungen halte", teilte er einem Freund mit. Doch die Widmung unterblieb, wohl auch wegen des Hofkapellmeisters Josef Eybler, der befand, die Messe "sei nicht in dem Styl componirt, den der Kaiser liebt". Dieser wünschte Messen, die kurz und leicht auszuführen seien.
Eine Herausforderung also für Philippe Herreweghe. Seine Gestaltungssicht ist betont vokal, glücklicherweise nach all den Dirigenten, die von Sängern nichts verstehen. Insofern spielen für Herreweghe Chor und die sorgfältig ausgewählten Solisten eine besondere Rolle. Mit einem so ausgezeichneten Chor wie dem Rias-Kammerchor und Solisten wie Anna Korondi und Andreas um nur einige zu nennen, kann er den beschwörerischen Duktus dieser Musik zeichnen und unablässig auf einem Niveau halten, in kraftstrotzenden ebenso wie in zärtlichen Momenten. Von Anfang an gerät man in einen unwiderstehlichen Sog ("Sanctus"), der einen nicht entlässt. Ergreifend ist dies und wahre Musik! --Teresa Pieschacón Raphael