Manchmal schmeißen Plattenfirmen immer wieder den gleichen alten Mist in neuer Verpackung auf den Markt, manchmal lassen sie sich aber auch was dabei einfallen. In diesem Fall wurden die bereits 1998 veröffentlichten "OMD Singles" nicht nur durch die Dazzle Ships-Ableger "Genetic Engineering" und "Telegraph" ergänzt, sondern gleich mit einer kompletten Videoclip-Sammlung auf DVD zusatzausgestattet. Super Idee!
Zur CD: Bis auf Titel 1 und 2 (wohl wegen des Compi-Namens) chronologische Reihung der bekanntesten Singles von OMD. Das beginnt 1979 mit sympathisch analoger Elektronik ("Electricity"), die in die langsameren, warmen Soundcollagen des Architecture & Morality-Albums ("Joan Of Arc") übergeht, um dann nach einem Schritt zurück ("Telegraph") im Mitt-80er Chartspop zu landen ("Tesla Girls", "Secret"). Damit sollten endlich die US-Charts geknackt werden, was kurzzeitig auch gelang ("If You Leave" vom "Pretty In Pink"-Soundtrack). Die Band vergrößerte sich und gab sich organischer im Sound, doch gab es am Ende keine gemeinsame Basis mehr. Die letzte Single aus den 80ern, "Dreaming", erinnert mich heute noch an die seelenlosen Stock/Aitken/Waterman-Produktionen, die zu dieser Zeit die Charts bestimmten. Die anschließenden und bis 2010 letzten drei Alben (1991 - 96) veröffentlichte Andy McCluskey dann im Alleingang, was ihm noch einmal Chartserfolg bescherte ("Pandora's Box", "Walking On The Milky Way"), durch die Anbiederung an den damals angesagten Eurodance aber auch mitunter schwer verdaulich wurde, besonders für die alten Fans.
Was die vorliegende Zusammenstellung allerdings so großartig macht: Sie macht Spaß. Ob "Enola Gay", "So In Love" oder "Sailing On The Seven Seas", da steckt Energie drin, und wer seit den frühen 80ern ein Ohr für Pop hat, kennt die Songs. Das ist nicht Jedermanns Geschmack, aber wer ein paar der Songs in der Titelliste wiedererkennt und mehr hören möchte, ist mit dieser Zusammenstellung sicherlich gut bedient. Wem das nicht reicht: Die weniger kompakten, experimentelleren OMD mit ausschweifenden Stimmungsbildern finden sich eher auf den ersten vier Alben, von 1984 bis 1986 bekommt man erste Sahne Pop, zuletzt eher Dance-Pop.
Zur DVD: Ich kannte kaum einen der Videoclips. Die ganz frühen Aufnahmen zwischen Metallgestellen in leeren Fabrikhallen sind rührend, weil so typisch für die Anfänge des Musikfernsehens. Daraus werden mehr und mehr kleine Minidramen, die jeweils eine junge Dame beinhalten, die mit dem einen zusammen ist und am Ende mit dem anderen abzieht, was sich irgendwann ausgereizt hat. Ende der 80er gab es weniger in Bildern erzählte Geschichten, mehr Bandperformances, und die frühen 90er warten mit der damals im Pop so populären Farbenpracht auf, die mich immer wieder überrascht. Insofern ist die DVD auch ein schöner Streifzug durch die Geschichte des Musikfernsehens. Großartige Kunstwerke sollten allerdings nicht unbedingt erwartet werden. Für einen amüsanten Nachmittag aber reichen sie aus.
Wer also einen nicht vollständigen, aber guten Überblick über die ersten drei Kapitel der Band OMD haben möchte, darf hier zugreifen. Die lange Schaffenspause ist inzwischen vorbei; hoffen wir, dass das nächste Kapitel ähnlich ertragreich wird.