Hat mich als Überblick über eine bestimmte, journalistisch orientierte Schreiber-Generation mehr erschreckt als entzückt. Neue Dimensionen an Langweiligkeit erobern die Texte etwa von Carl von Siemens über einen Aufenthalt in Sri Lanka oder Joachim Bessings belangloser und namedroppender Bericht über die Buchmesse. Aber das sind nur die Spitzen, die mir noch als besonders unangenehm in Erinnerung sind. Die können einfach nicht schreiben! Die sind nicht in der Lage, ihre Sätze so zu führen, dass einer den nächsten notwendig macht, auch der hochgelobte Herausgeber Kracht nicht in seinem unentschieden zwischen Erzählung und Bericht schwankenden Beitrag. Drei Ausnahmen: Stuckrad-Barre, dessen Beitrag zwar ein reines Max Goldt-Plagiat ist, aber das eben gekonnt. Lorenz Schröter mit seiner erzählerisch zwar recht konventionellen, aber geistreichen Geschichte über den Gasthof "Zum toten Juden" in einer deutschen Kleinstadt - eine ähnlich konzentrierte und lustige Darstellung deutscher Verlegenheiten im Umgang mit der Vergangenheit kenne ich nicht. Moritz von Uslars Opener "Davos". Das ist nun etwas ganz besonderes. Was hier hinter einem ganz wirren Geschwätz an Einsamkeit, Sehnsucht, falschem Bewusstsein und Hingabe an dieses falsche Leben spürbar wird, das ist so einzigartig schön und toll, das trotzt der Sprache einen ganz neuen Ausdruck ab. Für diese 50 Seiten lohnt sich die Anschaffung dieses insgesamt öden Buches.