Wie schon seine beiden Vorgänger "Flammender Kristall" und "Der Erbe" zieht auch dieser letzte Band von Mary Stewarts grandioser Merlin-Trilogie den Leser von der ersten Seite an in seinen Bann. Nie zuvor wurde der Artus-Stoff so spannend aufbereitet, noch nie fühlte man sich bei der Lektüre so seltsam berührt.
Die Geschichte wird aus der Sicht von Merlin, dem sagenumwobenen Zauberer und klugen Berater König Artus' erzählt ; durch die "ich-Form" der Erzählung kommen sowohl Merlins Freude als auch seine Sorgen, sein Schmerz und seine Verzweiflung noch deutlicher zum Ausdruck, als dies bei auktoialer Erzählhaltung der Fall wäre. Unbewusst werden seine Gefühle auf den Leser übertragen, welcher diese Emotionen schon nach kurzer Zeit gerne mit ihm teilt.
Obwohl die Geschichte schon vor so langer Zeit spielt, wirkt sie dennoch in keinster Weise "veraltet". Mary Stewart versteht es meisterlich, Parallelen zur Gegenwart zu ziehen, ganz besonders im Bereich der Gefühle ; Unsicherheit, Verzweiflung, die schwere Bürde großer Verantwortung, Verzicht, schmerzlicher Verlust, Eifersucht - all diese Emotionen sind schließlich auch in der heutigen Welt keineswegs unbekannt, was maßgeblich dazu beiträgt, den Roman lebendig erscheinen zu lassen.
Es ist aber in jedem Falle ratsam, vor der Lektüre dieses Buches die ersten beiden Teile zu lesen, andernfalls fehlt dem Leser wichtiges Hintergrundwissen und die "magische Atmosphäre", die nur mit der Verbindung aller drei Teile entsteht, geht verloren. Und in Anbetracht des unglaublichen Potentials dieses Meisterwerkes wäre dies wirklich äußerst schade und ein großes Versäumnis!