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<<<<<< ... Die Insekten waren die ersten, die zu mir kamen; am Morgen, nachdem meine Eltern mich aus dem Krankenhaus nach Hause brachten, mussten sie tote Ameisen aus meinem Tragekörbchen entfernen. "Tot" war das erste Wort, das ich lernte...
Mit jeder Mondphase und jedem Monat, der verstrich, wurden die Tiere grösser. Bald kamen sie nicht nur nachts, sondern auch tagsüber. In der Schule raunten die anderen Kinder mir Spitznamen zu: Todesbotin, Totengräberin, Hexe und noch vieles mehr, so dass ich lieber gar nicht mehr hinhöre. Auch die Erwachsenen schlossen mich aus. Das tat weh...
Meine Eltern benahmen sich, als spielte das alles keine Rolle, als sei nie ein Tier neben mir gestorben und als sei unser Garten kein Friedhof. Stattdessen redeten sie mir ein, ich besäße eine ganz besondere Gabe...
Wie gerne hätte ich geglaubt, daß meine Eltern sich nicht von mir abgestossen fühlten. Doch ich werde die bedeutugsvollen Blicke , die sie sich über meinen Kopf hinweg zuwarfen nie vergessen...
Als ich älter wurde, gab ich es auf, Freunde finden zu wollen. Ich kam zu dem selben Schluss wie meine Umwelt. Mit mir stimmte etwas nicht. Ich war ein Freak. Etwas das man im Zirkus vorführt...
Meine Welt bestand und besteht nur aus mir und dem Tod... >>>>>>
Mit diesen Sätzen wird ganz treffend das bisherige leicht makabre Leben der Protagonistin beschrieben.
Dabei finde ich es recht erfrischend, daß der Hauptcharakter mal NICHT ein völlig normales und unbedarftes Leben führt bis das Schicksal aus heiterem Himmel auf den Nichtsanhnenden niedersaust. So wie es in vielen "urban fantasy" Romanen vorkommt. Nein, hier kündigt sich das Unheil bereits seit längerer Zeit an und liefert einen kleinen Vorgeschmack auf das was noch kommen möge. Wirkt dadurch auch glaubwürdiger ( ich meine daß jemand die verräterischen Spuren seiner Andersartigkeit schon länger bemerkt und sie ihm nicht ganz plötzlich bewusst wird bzw. bewusst gemacht wird ).
Doch trotz allen Idizien rechnet unsere Heldin dennoch nicht damit, daß sie quasi ein Todesengel - ein sog. Fenestra - ist und daß sie ihren "Beruf" in den Griff bekommen muß, anstonsten wäre sie in Lebens-Gefahr, wobei ihr Tod schlimme Konsequenzen mit sich brächte.
Ihr Beschützer und love-interest Tens unterstützt sie dabei, das Gleichgewicht zwischen Leben & Tod zu erhalten. Doch selbstverständlich machen es ihnen übersinnliche Gegner, dunkle Mächte, Seelenfänger ... nicht gerade einfach.
Die Idee des Buches fand ich sehr interessant. Mal was anderes als die sonstigen Todbringer, die Vampire.
Die Ausführung hätte allerdings noch etwas gehaltvoller sein können, z.B. mit ein paar originellen Einfällen mehr ... zusätzlich zur tollen Grundidee. Zumindest das Wesen der Fenestrae wurde perfekt in Szene gesetzt.
Da der Roman in der Ich-Form geschrieben ist, erlebt der Leser die Psyche der Protagonistin ganz hautnah. Die todtraurigen ( im wahrsten Sinne des Wortes ) Momente - und davon gibt es ein paar - gehen einem sensiblen Leser deshalb ganz besonders zu Herzen.
Einen kleinen bösen Seitenstich gibt die Autorin auch dem tiefreligiösen Eifer, indem sie ihn von der schlimmsten Sorte beschreibt.
Eine Fortsetzung ist bisher nicht in Sicht. Allerdings hat die Geschichte auch kein offenes Ende. Dennoch würde ich einen zweiten Band sehr begrüssen. Neben
Faunblut ist dies der zweite Roman den ich gelesen habe in diesem Jahr, welcher eine faszinierende, originelle Idee aufweist.
Das Cover ist dem englischen recht ähnlich und hübsch anzusehen ( auch wenn mir die
Original-Illustration noch einen Tick besser gefällt, v.a. wegen der Abbildung des Mädchens ).
Die matten und Glanzflächen, sowie die Farbgebung in rot, silber und schwarz spiegeln sehr schön die düstere Atmosphäre wieder. Ebenso die kleinen ( gleichbleibenden ) Illustrationen im Buch drinnen.
Endlich mal eine passende Covergestaltung. ^^
Im Übrigen ist das Buch auf eine gewisse Art pseudo-gebunden. Denn auch wenn der äussere Seitenrand die typische konkave Vertiefung und der Buchrücken einen Buckel bildet ... so sind die Seiten nicht durch Fadenheftung zusammengebunden, sondern bloss einzeln angeleimt ( wie bei Taschenbüchern ) und die Buchdeckel sind zwar aus festem, aber dennoch biegsamen Karton gemacht.
Allerdings sieht das ziemlich gut aus und ist zugleich stabiler als Taschenbücher sowie leichter als normale gebundene Bücher. Solche Chimären sollte es öfters geben. ^^
FAZIT:
Empfehlenswert für Fans von "urban / dark fantasy", die mal etwas anderes lesen möchten als die gängige Vampir-Kost.
Der Link zur HP der Autorin steht in den Kommentaren.
PS:
Wer an ähnlich düsterer Jugendliteratur interessiert ist, dem möchte ich folgende Bücher vorschlagen ->
Totenbraut von Nina Blazon
Night World - Engel der Verdammnis von Lisa J. Smith
... oder ein paar englischsprachige Vertreter ->
The Summoning von Kelley Armstrong
Bones of Faerie von Jannie Lee Simner
Sehr empfehlenswerte allgemeine "urban fantasy" wären ...
City of Bones (Chroniken der Unterwelt) von C. Clare
Faunblut von Nina Blazon
und ein themenverwandtes Schmankerl
Silberlicht von Laura Whitcomb