Immer häufiger stelle ich fest, dass die besten Reiseführer weder von "Eingeborenen" noch von "Auswärtigen", sondern von "Zugereisten" geschrieben werden. Bei solchen Wahlbürgern kommen einfach wie von selbst gute Voraussetzungen zusammen wie positive Einstellung, Neugierde, Blick für Vor- und Nachteile und natürlich das Weltoffene, das es mit sich bringt, wenn man hin und wieder den Lebensmittelpunkt verschoben hat.
Im vorliegenden Merian-Heft vom Februar 2012 finden natürlich auch beeindruckte Besucher wie Goethe und geborene Saarländer wie Honecker Erwähnung - wobei die Fremdenverkehrspolitik Letzteren vermutlich nicht in den Vordergrund schieben würde.
Manuel Andrack, seit 2008 Wahl-Saarländer und Ex-Ko(m)moderator von Harald Schmidt, trug natürlich die nuancenreiche Reise durch die saarländische Gastronomielandschaft bei. Schließlich wandelt sich das Augenmerk der Besucher von früher der beeindruckenden Hochofendichte über den Bewaldungsweltmeister zur führenden Genießerregion mit dem weltweit geschätzten Sternekoch Klaus Erfort an der Spitze.
Dazu zählt auch die Kunst, deren aktueller Star, die Irin Marguerite Donlon, aus Saarbrücken eine Ballett-Hauptstadt gemacht hat.
Weitere Highlights des Heftes beleuchten die Vauban-Zitadellen, Villeroy & Boch, das Welterbe Völklinger Hütte, Peter Scholl-Latour, den Mariannenweg und die Wölfe des Merzigers Werner Freund.
Als wenige Meter von der Ludwigskirche und dem Schloss geborenen Saarbrücker und nun wieder Wahl-Saarländer wurde ich aber am meisten von Andracks Insider-Story über das Nauwieser Viertel beeindruckt, in welchem sich wenige Meter vom Touristen-überlaufenen St. Johanner Markt, der womöglich größten Freiluftkneipe der Welt, eine skurrile Szene etabliert hat.
Fazit: Ein großartiges Heft, das man jedem Besucher guten Gewissens ans Herz legen kann, der mal aus den Ford- und SK-Konferenzzimmern oder dem KI-Forschungszentrum hinaus ins wahre Leben schnuppern möchte.
jury 5* A0921 29.3.2012eg ABR 29.668