Die (oder The) Runaways waren die erste ernst zu nehmende Girlgroup des Rock und - soweit es mich betrifft - auch die einzige, wenn man den Begriff Rock sehr eng zieht. Sicher hat es erfolgreichere Gruppen wie Spice Girls gegeben, aber die waren eher Pop als Rock und was noch wichtiger war, die Runaways waren keine Marionetten, sondern eigenständige Musikerinnen.
Sicher hat der genial-wahnwitzige Produzent Kim Fowley ihnen den Einstieg ermöglicht und sie auch irgendwie "gemacht", aber das hätte auf Dauer nicht funktioniert, wenn die Mädchen nicht tatsächlich versierte Musikerinnen gewesen wären. Als Beweis mag die Gruppe "Venus And The Razorblades" gelten, die von Fowley ähnlich gehypt wurden, aber nie auch nur annähernd die Qualität der Runaways erreichten.
Das erste Album wurde mit den Musikerinnen Joan Jett (g, voc) Cherie Currie (voc), Lita Ford (g, voc), Jackie Fox (bg) und Sandy West (dr) eingespielt. Vorher gab es noch eine Micki Steele, die Bass spielte und sang, aber auf dem Debütalbum nicht auftauchte. Die treibende musikalische Kraft war wohl Joan Jett, die Chuck Berry und die Rolling Stones liebte. Die Gruppe spielte gerne mit ihrem jugendlichen Image, denn alle Musikerinnen waren da (1976) tatsächlich mal um die sechzehn Jahre herum. Sie rockten ihren männlichen Kollegen nicht unbedingt was vor, hatten aber mit "Cherry Bomb" einen Song, dem man richtige Hitparadenplätze gewünscht hätte, und dann war da noch "Dead End Justice", ein wirklicher Klassesong, der, wäre er von männlichen Hardrockern gespielt worden, wahrscheinlich heute ein Klassiker wäre.
Sie spielten dann "Queens Of Noise" ein, mit Sicherheit ihr bestes Album, das Kracher wie "Neon Angels On The Road To Ruin", "I Love Playin' With Fire", "Heartbeat", "California Paradise" und "Johnny Guitar" enthielt, doch in ihrer Heimat (All Male) Amerika hatten sie damit und auch später keinen Erfolg. In Europa und vor allem in Japan kamen sie wesentlich besser an und so war es kein Wunder, dass ihr drittes Album, ein Livealbum, in Japan aufgenommen war.
Danach verabschiedete sich Cherie Currie, aus welchen Gründen auch immer, aus der Band, nahm ein Soloalbum auf, das sich aus niedlichen Liedchen und liedlichen Nietchen zusammensetzte. Mit den Runaways hatte das nix mehr zu tun. Die Runaways selbst überlebten - nachdem sie Fowley über den Harz gekickt hatten, ein Beweis für die Eigenständigkeit der Band - mit dem Album "Waitin' For The Night", das in Ordnung war, aber genauso wie alle Runawaysalben hitparadenmäßig ein Flop war. Joan Jett übernahm die Vocals und mit "School Days" knüpften sie an alte Leistungen an.
Sie nahmen noch ein Album auf "And Now...The Runaways" (1978) und trennten sich dann, weil sich die beiden Alphatiere Jett und Ford nicht auf die zukünftige musikalische Richtung einigen konnten. Jett wollte weiter in Richtung Punk/Glamrock, Ford eher hardrockig und in diesem Stil hat sie ja dann auch einige Alben veröffentlicht.
Genau genommen sind die Runaways nur eine Randnotiz des Rock, weil sie halt in den wichtigen Charts nie landen konnten. Umso schöner ist es, dass ihnen inzwischen doch eine berechtige Nische eingeräumt wird. Vielleicht liegt es auch an Joan Jett, die nach dem Split der Runaways emsig weitergerockt hat und von Kritik und Fans immer geliebt wurde, vermutlich, weil sie einfach immer ehrlich gerockt hat und man glaubt es kaum - Joan Jett ist dieses Jahr FÜNFZIG geworden.
Auf dieser Doppel-CD sind nun die ersten vier Alben komplett vertreten und ist insofern ein echtes Schnäppchen, weil sie billiger ist, als wenn man sich die Einzelalben kaufen würde. Die letzte Platte wurde bei Cherry Red Records veröffentlicht und hat somit auf einer Mercury-Kompilation nichts zu suchen.
Im Internet kursiert übrigens eine Dokumentation zu ihrem "Live In Japan" Album, die zeigt, wie gut die Runaways zu ihrer Zeit waren.
God Save The Runaways.