Wer hätte gedacht, das ausgerechnet Jan Delay auf seinem neuen Album eine Art deutschen Jamiroquai gibt. Fröhnte er auf dem Vorgänger noch ausgiebig dem Reggae, so liefert er hier eine süffige Mischung aus Funk, Hip/Hop und Pop. Spätestens wenn er anfängt zu singen ist es mit der Mimkry allerdings vorbei. Zu eigenwillig ist sein nasales Timbre, und passt doch auch in dieses musikalische Umfeld gut hinein. Schon im großspurigen Intro gibt er den Ton vor. Entspannt, rotzig und auf nette Art selbstverliebt bereitet er das Beet, in dem er danach ausgiebig jähtet. Das folgende "Klar" funkt mit E-Piano und treibendem Groove, dazu geschmeidige Roxy-Music-Frauenchöre. "Kartoffeln" bestätigt ihn als Meister der Lyrics über minimalistischem Funk mit fetter Orgel, während "Kirchturmkandidaten" auf seltsame Art ernsthafte Lyrics mit relaxtem Seventies-Funk und Mitsing-Refrain koppelt. Das er auch sanfter kann zeigt "Für immer und dich" mit seiner erinnert dann eher an deutsche Kost a la Rio Reiser. Des weiteren gibt es Ska und kühle Eighties-Disko ("Plastik").
Wieder einmal zeigt sich, das kaum ein deutscher Künstler momentan so entspannt mit den Stilen jongliert wie Jan Delay - ohne jede teutonische Schwere und mit übersprudelnder Musikalität. Nun müssen ihm nur noch die Fans auf seinem verschlungenen Weg folgen ...