Also eins mal vorweg: A Perfect Circle wird zwar gerne, aber sollte nicht mit Tool verglichen werden. Gern wird APC als Tool fürs Radio, Tool für Kuschelrockliebhaber, Tool für was-weiß-ich-was, oder gar als halbgares Experiment zur Überbrückung des nächsten Tool-Album bezeichnet. APC sind nicht Tool, brauchen sich überhaupt nicht hinter ihnen zu verstecken und klingen nur sehr bedingt (und das auch nur dann wenn's härter zur Sache geht) nach Tool und außerdem ist es kein Tool- oder Maynard James Keenan-Nebenprojekt, sondern ein Billy Howerdel-HAUPT-Projekt, denn aus seiner Feder stammen die genialen Kompositionen! Also an alle, die noch mal APC als radiotaugliches Tool-Nebenprojekt bezeichnen wollen: Bitte schenkt doch A Perfect Circle und vor allem Billy Howerdel den Respekt, den sie verdienen, denn so ein Eigenständiges Album hat die Welt schon viel zu lange nicht mehr gehört.
Das beweist schon der Opener. "The Hollow" ist wohl die Hymne des Albums, wobei das Wort Hymne hier völlig neu definiert wird, denn obwohl dieser Song nur knappe drei Minuten dauert, steckt hier mehr drinnen als auf manchen Alben. Geniale Riffs, die gesamte Bandbreite von Maynards Können hinter dem Mikro und gleich zwei wundervolle Refrains. Dieser Song macht gleich deutlich, dass dieses Album etwas schafft, was schier unmöglich scheint: Denn obwohl man es hier mit drei- bis vier-Minuten-Songs zu tun hat, bekommt man hier einige der vielschichtigsten und progressivsten (!) Rock-Nummern der letzten Zeit geboten.
Hier freut sich jeder Freund anspruchsvoller Rockmusik über geniale hymnische Riffmonster wie "Judith", "Magdalena" oder "Thomas", subtilen, psychedelischen Alternative-Rock ("Rose", "Sleeping Beauty), melancholischen Gänsehaut-Rock wie "Brena" und "3 Libras", oder völlig entrückte Momente ("Renholder" und das abschließende minimalistischst gehaltene "Over"). Bei aller Progressivität und Vielschichtigkeit, wirkt dann das längste Stück des Albums, ein gerade mal 4:47 langer/kurzer Song, wie ein 10-Minuten Epos. "Orestes" ist für mich auch der absolute Höhepunkt des Albums, da es der schönste und ergreifenste Song ist, den ich seit langem gehört habe. Maynard leidet hier in nahezu göttlicher Form, sei es im ersten, melancholisch-ruhigen, oder im abschließenden Teil, welcher an emotionaler Intensität einem Vulkan-Ausbruch gleicht!
Heraushebenswert ist auch das Können der einzelnen Musiker, seien es die subtilen Keyboards von Troy Van Leeuwen, die genialen Rhythmen von Drummer Josh Freese, die großartigen Basslinien der mittlerweile leider nicht mehr zur Mannschaft gehörenden Paz Lenchantin (man höre nur mal das geniale "Thinking of You"!), die bereits erwähnten einzigartigen Gänsehaut-Vocals von Maynard James Keenan und seine gewohnt großartigen Lyrics, oder die mega-genialen Gitarren-Riffs und -Melodien von Mastermind Billy Howerdel selbst, den ich hier noch mal als das neue Songwriting-Genie hervorheben will! Abgerundet werden die 12 Stücke von einem tollen, eigenständig und auf die Songs maßgeschneidert produzierten Sound, wofür- wie könnte es anders sein- abermals Billy Howerdel verantwortlich ist.
Fazit: Billy Howerdel und co. kreieren schon mit dem Debüt-Album einen völlig eigenen Stil und liefern uns ein großartiges, abwechslungsreiches Rock-Album mit viel Seele und ungeheurer Langzeitwirkung (in der heutigen Rockmusik leider eine Rarität), das ich hiermit allen, die auch nur ansatzweise auf eigenständige, intelligente und leidenschaftliche Rockmusik stehen, wärmstens empfehle. Damit sind natürlich auch die Tool-Fans angesprochen...