Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klaus Manns "böses" Buch, 24. Januar 2007
Es ist interessant, dass Klaus Mann selbst zu seinem im Nachhinein erfolgreichtsten Werk, dem Roman "Mephisto", ein äußerst distanziertes Verhältnis hatte und es ein "kaltes und böses Buch" nannte. Er liebte seinen Tschaikowski-Roman "Symphonie pathétique" viel mehr und hielt später den "Vulkan" für sein bestes Werk. Mir persönlich geht es ähnlich. Ich finde andere seiner Werke noch spannender und gelungener. Nichtsdestotrotz halte ich "Mephisto" für ein wichtiges und auch ein "gutes" Buch. Das liegt gerade daran, dass Klaus Mann sich hiermit nicht ausdrücklich an Gustav Gründgens rächen wollte, wie so oft behauptet wird, sondern einen Zeitroman und das typische Porträt eines charakterlosen Karrieristen verfassen wollte. Mit Gustav Gründgens hatte er sich bereits ausführlich in der Figur des Gregor Gregori in "Treffpunkt im Unendlichen" beschäftigt - dort stand tatsächlich dieser Mensch im Vordergrund. "Mephisto" ist ungleich politischer - hier geht es um jeden, der seine Überzeugungen verrät und sich mit den Nazis arrangiert. Dass Klaus Mann das Geschehen im 3. Reich nicht detailliert aufzeigen kann, liegt daran, dass er sich nun mal glücklicherweise im Exil befand, was man ihm nicht zum Vorwurf machen kann. Ich finde es hingegen spannend, wie scharf dieser Blick von außen ist: Klaus Mann erkennt das Unwirkliche, Lächerliche, Verlogene der Machthaber, anstatt sie nur zu dämonisieren und somit Deutschland gleichermaßen schon wieder zu entschuldigen. Das ist natürlich sehr unbequem für den Leser, wie die ganze Thematik unbequem ist. Trotzdem sollte man sich ihr stellen, und die Beschäfigung mit diesem Buch ist ein wichtiger Beitrag dazu. Ich empfehle jedoch jedem, der mit "Mephisto" nicht zufrieden war, noch den "Vulkan" zu lesen, einem weiteren Zeitroman, der die Thematik noch vertieft.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Zwischen Kunst und Macht, 4. Mai 2007
"Mephisto" von Klaus Mann ist sicherlich einer der großen Romane der deutschen Literatur des 20. Jahrhunderts, wenn er auch einer ist, der die Geister und Gemüter der Leser scheidet. Dabei ist der Erzählstrang des Buches schnell nachgezogen: Hendrik Höfgen, zunächst aufstrebender Schauspieler in einem kleinen Lokaltheater, wird von seinem brennenden Ehrgeiz und einer Reihe unbefriedigter Sehnsüchte dazu angetrieben seine Karriere immer weiter voranzutreiben. Letztlich ermöglichen ihn seine Gerissenheit, sein unzweifelhaftes Talent sowie seine Anbiederung an die aufsteigenden Nationalsozialisten genau dieses: Er wird zu einer führenden Größe des Theaters im ganzen deutschen Reich. Der Preis, den er dafür zu zahlen bereit ist, ist jedoch hoch. So opfert er nicht nur die Menschen, um ihn herum, sondern auch seine Ideale und wird teils bewusst, teils unbewusst zu einem Affen der Macht.
Wirklich bedeutsam an diesem Werk ist die Frage, was es so kontrovers macht. Eine Antwort darauf ist sicherlich, dass die Figur des Hendrik Höfgen, an das Leben des Theaterintendanten Gustav Gründgens angelehnt ist, was einigen politischen und rechtlichen Zündstoff birgt, wobei man aber klar unterstreichen muss, dass dieser Umstand wenig Einfluss auf die eigentliche Qualität des Buches hat. Auch deshalb sollte man dieses Buch nicht als Lebensgeschichte eines realen Theater- intendanten lesen, sondern als Metapher für den Weg, den ein ganzer Typus von Künstlern eingeschlagen hat: Die Anbiederung ans System. Besonders hebt Klaus Mann dabei den Dualismus von Morallosigkeit auf der einen und Karrierestreben auf der anderen Seite hervor, der in seinem letzten Schluss die Kunst seelenlos und leer macht. So lässt sich "Mephisto" sicherlich als ein Plädoyer für die "freie" und nicht manipulierte Kunst lesen.
Eine weitere Antwort auf die Frage nach der Kontroversität des Buches ist sein zeitweise zweifelhafter Inhalt. Wie schon in einigen Vorrenzensionen erwähnt ist die Hauptfigur gelinde gesagt recht bizarr und Mann hält sich auffallend lange damit auf, dessen geheime, sexuelle Fetische zu beschreiben, was auf den ersten Blick eindeutig nach Effekthascherei aussieht. Dass er jedoch keineswegs darauf aus ist, wird deutlich, wenn man diese Fetische in der Gesamtheit mit den übrigen Charakterzügen Höfgens betrachtet. Höfgen ist ein widersprüchlicher Mensch, einer zwischen Unterwürfigkeit und der Lust am Herrschen, einer zwischen Ausdrucksstärke und der Unmöglichkeit sich in Harmonie mit sich selbst zu befinden. Letztlich prädestinieren ihn genau diese Züge für die Rolle des Mitläufers: Er verzehrt sich nach dem Gestreicheltwerden durch die Masse und die Mächtigen, brauch aber die Machtlosigkeit in Form der Sado-Maso-Fetische und des exzessiven Schauspiels, um sich dieses inneren Druckes zu befreien.
Festzustellen bleibt aber auch, dass trotzdem einige Stellen von sinnwahrenden Kürzungen und einem kleinen Schuss mehr Esprit in der Sprachverwendung profitiert hätten.
Zusammengefasst dennoch ein tiefsinniges Werk über die Anbiederung des Künstlertums an die Macht und eine beeindruckende Studie über den Charakter und die emotionalen Abgründe eines Mitläufers.
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10 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
der umstrittene Roman in einer guten Ausgabe, 15. August 1999
Von Ein Kunde
In „Mephisto" stellt Klaus Mann die Karriere eines skrupellosen Schauspielers im Dritten Reich dar, der sich dem System anbiedert, um die Erfolgsleiter immer weiter empor zu steigen und dabei auch nicht davor zurückschreckt, seine Ideale zu verkaufen. Mann hat in diesem „Roman einer Karriere" die Geschichte des Schauspielers Gustaf Gründgens verarbeitet, auch wenn er am Ende des Buches schreibt „Alle Personen dieses Buches stellen Typen dar, nicht Porträts". Aus diesem Grund war „Mephisto" auch lange Zeit in der Bundesrepublik Deutschland umstritten und zeitweise verboten. Selbst das Bundesverfassungsgericht beschäftigte sich mit dem Fall, was in dieser Ausgabe auch dokumentiert wird. Die Geschichte an sich, ist interessant geschrieben und zeigt die Probleme von Schauspielern und Künstlern im Dritten Reich, da diese nur die Auswahl hatten, sich entweder mit dem System zu arrangieren oder ins Exil zu gehen. Der talentierte Schauspieler Henrik Höfgen (der Protagonist des Buches) geht den Weg, sich dem System anzubiedern und läuft damit sehr gut. Mann ist es mit diesem Buch gelungen, tatsächlich einen Typus von Personen darzustellen, die mit dem System mitgegangen sind, um ihren eigenen Vorteil zu ziehen. Eine sehr gute Darstellung, die man gelesen haben sollte, in einer gelungenen Ausgabe. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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