Ich bin sehr enttäuscht von dem Buch, das hier so viele gute Bewertungen abgeräumt hat.
Auf die psychologischen und physiologischen Hintergründe wird nur sehr oberflächlich eingegangen. Was genau in Körper und Gehirn abläuft und welche Auswirkungen die beschriebenen Übungen darauf haben, wird nicht oder nur sehr spärlich erklärt.
Das gleiche gilt für die praktischen Übungen. Der Autor beschreibt in nur wenigen Sätzen, was der Sportler tun soll, allerdings nicht wie. Die jeweils im Anschluss jeder Übung beschriebenen Beispiele sollen da wohl Abhilfe schaffen. Jedoch macht es sich Christian Sterr dabei sehr einfach und die Beispiele immer so, dass sie genau auf die Übung zugeschnitten sind, wie zum Beispiel einen untrainierten Laufanfänger, dessen Ziel es ist, irgendwann einen Marathon zu schaffen. Das es hierbei leicht fällt, verschiedene Dinge zu optimieren und dass sich auch schnell Fortschritte einstellen werden, dürfte klar sein. Was aber macht ein Leistungssportler, dessen Trainingsabläufe schon lange erprobt, eingespielt und strukturiert sind. Hier ist es viel schwerer, noch irgendetwas zu optimieren, und mit solch oberflächlich erklärten Übungen wird dies wohl kaum möglich sein.
Ein anderes Beispiel ist die Übung zum mentalen Techniktraining. Diese wird anhand der Technik des Skilanglaufens erklärt. Es handelt sich um eine relativ einfache, zyklisch ablaufende Bewegung, die immer wieder gleich abläuft. Auf eine Sportart mit azyklisch ablaufenden Bewegungsformen, bei denen in kurzer Zeit viele kleine Einzelbewegungen gleichzeitig ablaufen, ist diese Übung in der Form wie sie im Buch beschrieben ist, nicht übertragbar.
Zudem erwecken die Beispiele den Eindruck, als könne man sie ganz einfach ohne jegliche Vorübungen in wenigen Minuten durchführen. In den Beispielen gelingen die Übungen immer auf Anhieb. Auf mögliche Probleme bei der Umsetzung wird nicht eingegangen.
Außerdem ist in allen dargestellten Übungen immer der Trainer involviert. Ohne einen persönlichen Trainer sind die Übungen nicht oder nur beschränkt (mit viel Aufwand und einer guten Portion Kreativität) durchführbar. Aber welcher (Vereins)-Trainer, der in der Regel 10 bis 30 Sportler betreut, hat schon die Zeit, sich so intensiv mit einem einzelnen Sportler zu befassen? Und wie viele dieser Trainer sind überhaupt bereit, sich für diese doch noch relativ unbekannte Trainingsform zu öffnen? Antwort: die Wenigsten"
Oft werden in diesem Buch Begriffe verwendet und diskutiert, ohne sie vorher zu erklären. So findet man relativ am Anfang ein Interview über NLP (neurolinguistische Programmierung, wie sich irgendwann im Text mal herausstellt)), ohne Erklärung darüber, was NLP genau ist und was das mit mentalem Training zu tun haben soll. Anschließend taucht dieser Begriff im Buch so gut wie gar nicht mehr auf. Genau das Gleiche ein paar Seiten weiter; hier werden die Auswirkungen von Weg-von-Zielen" kurz angesprochen, ohne zu erläutern, was auch immer Weg-von-Ziele" sind.
Alles in allem kann ich dieses Buch nicht weiterempfehlen.