Man hat einige Börsenerfahrung, zahlreiche Bücher über Aktienanalyse und Börsenstrategien gelesen und verinnerlicht, kann eine Bilanz und ein Chart in wenigen Sekunden erfassen - und trotzdem bleibt das Gefühl, daß irgendein wichtiger Mosaikstein fehlt. Trotz aller Erfahrung macht man immer wieder ähnliche Fehler oder verfällt in große Unsicherheit und Stress bezüglich einzelner Investments.
Franz-Joseph Buskamps "Mentale Börsenkompetenz" liefert die Antwort auf diese Probleme, und zwar umfassend, gründlich und leicht nachvollziehbar. Man lernt, wo die eigenen Schwächen und Stärken liegen, wo psychologische Fallen lauern, wie man gewinn- statt verlustbringender Erfahrungen sammelt, wie und warum man unabhängige Entscheidungen trifft, wie man Informationen effizient verarbeitet und Vieles mehr.
Vieles in diesem Buch deckt sich mit meinen - teilweise teuer bezahlten - Erfahrungen, manches konnte ich direkt umsetzen, und einige Punkte haben mich überrascht - z.B. das konsequente Bestehen auf Stop-Techniken (was meiner bisherigen Lynch-Strategie widerspricht) und die sehr positive Einstellung zu intuitivem Handeln.
Kleines Manko: Buskamp ist kein begnadeter Schriftsteller. Das Buch ist gut lesbar, verzichtet aber fast völlig auf Grafiken, Humor und andere Auflockerungen. Der Schreibstil ist sehr sachlich-wissenschaftlich. Wer nicht von der Börse und/oder Psychologie *fasziniert* ist, wird das Buch langweilig finden.
Trotz gelegentlicher Wiederholungen ist die Informationsdichte auf den knapp 400 Seiten enorm. Das Buch hält mit großem Abstand meinen persönlichen Unterstreichungsrekord.