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Menschmaschinen. Wie uns die Zukunftstechnologien neu erschaffen
 
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Menschmaschinen. Wie uns die Zukunftstechnologien neu erschaffen [Broschiert]

Rodney Brooks
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Change X

Rodney Brooks verliert keine Zeit. Im Vorwort zündet er seine Bombe: Wir müssen uns keine Sorgen machen, dass Roboter eines Tages die Herrschaft übernehmen. In naher Zukunft kommt es sowieso zu einer Verschmelzung von menschlichem Körper und Maschinen. Es wird kein "wir" und "sie" mehr geben. Ein fulminanter Anfang. Was könnte diese These für die Menschen bedeuten? Auf eine Erklärung wartet man 200 Seiten lang vergeblich. Dabei muss es Rodney Brooks wissen. Er ist Spezialist für Roboter. Und so sind die Helden seines Buches die künstlichen Krabbeltiere, die er selbst geschaffen hat. Mit ihnen füllt er fast drei Viertel des Buches. Dabei hält er allerdings mühelos seine Leser bei der Stange. Denn Brooks hat faszinierende Geschichten von seinen Robotern zu erzählen. Er hat mit allen Formen dieser Spezies experimentiert, vom Marserkundungs-Roboter über metallene Haushaltshelfer bis zu künstlichen Spielzeuglebewesen à la Furby. Menschenmaschinen ist die Geschichte eines Tüftlers und Forschers, der mühsam versucht, die Evolution in Stahl und Silizium nachzuvollziehen. Der Subtext seines Buches ist einfach: Was eigentlich sind Leben, Bewusstsein und Intelligenz? Gesteuert von einfachen Algorithmen verhielten sich Brooks beste Roboter wie Tiere. Sie handelten selbständig. Sicher, das ist nur eine Simulation tierischen Verhaltens - aber, grübelt Brooks, sind solche Roboter nicht schon auf einer Stufe mit einfachen lebenden Organismen, die schließlich auch nach angeborenen "Instinkt-Programmen" handeln? Menschen sind oft bereit, mit metallenen Wesen zu interagieren, sobald sie die richtigen sozialen Signale aussenden. Der Roboter "Kismet" etwa wurde von manchen Menschen als eine Art Gesprächspartner akzeptiert. Er zeigt menschliche Gesichtsausdrücke und menschliches Verhalten. Die Menschen reagierten auf ihn unwillkürlich wie auf ein lebendes Wesen ...

Für große Aufregung sorgte eine ganz andere Art von Experimenten unter den Erforschern der Künstlichen Intelligenz: Versuche, die Evolution im Computer nachvollziehen. Die gigantische Rechenleistung machte es möglich. Am Computer konnten die Forscher eine Evolution im Zeitraffer schaffen: In der digitalen Simulation entwickelten sich die virtuellen Wesen innerhalb vorgegebener Rahmenbedingungen selbst weiter. Doch der Durchbruch blieb aus. Über einen gewissen Punkt schafften es die virtuellen Wesen nicht hinaus. Noch müssen Roboter mit vielen technischen Handicaps kämpfen. Die Bilderkennung zum Beispiel ist noch sehr unvollkommen. So sind Maschinen bisher nicht fähig, auf einen Blick belebt und unbelebt zu unterscheiden.

Die Forscher stecken in einer Sackgasse. "Sowohl Roboter als auch Simulationen von künstlichem Leben sind bereits weit gediehen. Aber sie haben sich noch nicht verselbständigt, wie man es von biologischen Systemen erwartet", schreibt Brooks. Vielleicht fehlt etwas Entscheidendes, spekuliert der Roboter-Profi. Vielleicht brauchen wir eine neue Physik oder eine bessere Beschreibung dessen, was in lebenden Systemen vor sich geht.

Brooks erzählt mit einem sympathischen trockenen Humor. Nie verfällt er in Ingenieurjargon. Die Konzepte, die sich Science-Fiction-Autoren und gewagte Kollegen erträumen, setzt Brooks dem nüchternen Blick des erfahrenen Wissenschaftlers aus. Ob es darum geht, Roboter zu schaffen, die sich selbst reproduzieren können, ob es darum geht, die Persönlichkeit eines Menschen aus seinem sterbenden Gehirn in einen Computer zu übertragen - oft kommt Brooks zu dem nahe liegenden Schluss, dass so etwas nur unter größten Schwierigkeiten zu bewerkstelligen sei.

Doch über die Frage der Machbarkeit geht er fast nie hinaus. Ethische Fragen blendet er aus. Im letzten Drittel des Buches verlässt der Autor die autobiographische Ebene. Er wagt sich zu Visionen vor. Diese Visionen sind von einer ungeheuren Technikgläubigkeit erfüllt, wie man sie eher aus den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts kennt. Euphorisch schwärmt er etwa von Telepräsenzrobotern. Von jedem Ort der Welt aus kann man diese mechanischen Helfer zum Arbeiten treiben.

Eine Synthese von Mensch und Maschine sieht Brooks in rosigem Licht. Mit Hilfe von Technik und Biotech könne jedermann seinen Körper optimal umbauen: "Mit solchen Implantaten im Körper werden wir unvergleichlich mächtiger sein. Wir werden in vieler Hinsicht Übermenschen sein. Und durch unsere gedankenvermittelten Verbindungen zum Cyberspace werden wir allein über unsere Gedanken unser Universum physisch kontrollieren." Da wagt Brooks gar eine Prognose: In drei Generationen ist es so weit. Mensch und Maschine werden immer mehr verschmelzen. Wir, die erste Generation, werden uns noch wehren. Wir werden heftig diskutieren. Die zweite Generation wird es ausprobieren. Und für unsere Enkel wird der Cyborg-Körper selbstverständlich sein.

-- changeX -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Der Verlag über das Buch

Wie der Mensch zur Maschine wird Je weiter die Entwicklung künstlicher Intelligenz fortschreitet, desto näher kommt der Mensch seinem Traum, die Schöpfung selbst in die Hand zu nehmen. Zugleich stellt sich die beunruhigende Frage, ob Computer- und Biotechnologien den Menschen irgendwann überflüssig machen. Nein, meint Rodney Brooks, denn der Gegensatz Mensch - Maschine existiert nicht mehr. Vielmehr wird der Mensch selbst zur Maschine - wir alle sind potenziell teils Mensch, teils Roboter...

In David Cronenbergs Film Existenz aus dem Jahre 1998 entwickelt eine Computerspiel-Designerin ein Spiel, das direkt in das menschliche Nervensystem geladen wird. Mit Hilfe eines sogenannten "Bioports" wird das Spiel ins menschliche Rückenmark eingestöpselt - Mensch und Technologie verschmelzen. Das, was den Kinozuschauern höchst befremdlich erschien und ihnen Schauder über die Rücken jagte, beginnt aber bereits, Realität zu werden: Die direkte neuronale Verbindung zwischen Mensch und Maschine.

Rodney Brooks zeigt in seinem Buch, dass die technologische Manipulation des menschlichen Körpers längst begonnen hat. Vor allem die medizinischen und biotechnologischen Entwicklungen muten an wie aus einem Science-Fiction-Roman: künstliche Gehörschnecken, deren Elektronik eine direkte Verbindung zum Nervensystem hat, Netzhaut-Chips für Blinde, Arm- und Beinprothesen, die womöglich bald vom Gehirn gesteuert werden können - all das sind Beispiele für die technologische Erweiterung des Menschen.

In Brooks' berühmten Institut am MIT werden Roboter entwickelt, die laufen, mit Menschen kommunizieren und sogar Gefühle zeigen. Die Gentherapie manipuliert den menschlichen Körper auf zellulärer Ebene. Und irgendwann werden vielleicht Schulkinder ihre Hausaufgaben mit implantiertem Internetzugang machen.

Angesichts dieser Trends, so Brooks' Vision, wird es in naher Zukunft zu einer Verschmelzung von menschlichem Körper und Maschine kommen. Die Menschen werden das Beste haben, was Maschinen bieten können, aber gleichzeitig verfügen sie über ihr biologisches Erbe, um den jeweiligen Stand der Maschinentechnologie zu steigern. Daher werden die Roboter-Menschen den reinen Robotern immer einen Schritt voraus sein.

Menschmaschinen ist eine spannende Tour de Force durch die Welt von morgen und die Zukunft der Menschheit - eine Zukunft, die bereits begonnen hat und mit der wir schon jetzt täglich konfrontiert sind. Denn Internet und elektronische Hörgeräte sind erst der Anfang. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Wenn ein Direktor des renommierten Massachusetts Institute of Technology spricht, so hört man ihm zu - insbesondere gilt dies für Rodney Brooks, welcher dem Labor für Künstliche Intelligenz vorsteht. Spätestens seit dem Kassenschlager 'AI' (für Artificial Intelligence) von Steven Spielberg ist die Vorstellung von intelligenten Robotern ins allgemeine Bewusstsein gerückt und weckt dabei Hoffnungen auf eine paradiesische Zukunft, in der wir uns von eben diesen Gesellen rund um die Uhr bedienen lassen. Im Gegenzug werden aber auch Ängste geschürt vor einer Machtübernahme durch eine außer Kontrolle geratene Technik. Brooks räumt nun mit all diesen diffusen Gefühlen auf und ersetzt sie durch harte Fakten. Er versteht es, den aktuellen Stand der Forschung - geradezu im Plauderton, aber immer fundiert - darzulegen und präsentiert Beispiele von Maschinen, die schon bald unser Leben mitbestimmen werden. Dabei findet er die richtige Mischung: durchaus visionär, aber immer auf dem Boden der Tatsachen bleibend. Obwohl Brooks ebenfalls Gründer und Vorstand einer in diesem Sektor führenden Firmen (iRobot Corp.) ist, fehlen konkrete Hinweise auf wirtschaftliche Konsequenzen leider fast völlig. Insgesamt bietet dieses Buch trotzdem - auch durch die eingestreuten philosophischen Gedanken über den Menschen, seine Gefühle und sein Bewusstsein - ein uneingeschränktes Lesevergnügen.
Holger von Jouanne-Diedrich
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