In der Stimmung eher düster, ist "Menschliche Wärme" eines von Danzers Alben, denen am wenigsten Beachtung geschenkt wurde.
Über 20 Jahre lang war es vergriffen, jetzt wurde es anlässlich seines runden Geburtstages (Georg Danzer wäre heuer 65 geworden) wiederveröffentlicht.
Es handelt sich um ein extrem zeit- und v.a. auch sozialkritisches Album, welches die Ereignisse des 20. Jahrhunderts vom ersten Weltkrieg bis hinein in die 80er Jahre reflektiert. Wie ein roter Faden zieht sich diese Thematik durch die einzelnen Songs:
FÜR ANNE (1912): Ein betrunkener Familienvater sieht in seinem Delirium einen grossen Krieg vorraus. Eine Milieustudie zum Vorabend des ersten Weltkriegs.
FLUGZEUGLIED: Ein sowjetischer Diplomat fliegt in die USA, um mit einem westlichen Diplomaten über Rüstungsabkommen zu verhandeln. Niemand in der Bevölkerung konnte in den Achziger Jahren sagen, was vorgeht zwischen Ost und West.
FAHRRADFAHRER: Die einen buckeln nach oben, die anderen treten nach unten, die Dummheit bremst bergauf. Hat Symbolcharakter.
DER GENERAL: Hier geht es um einen hohen Offizier, der als schwach abgetan wird, weil er einerseits Menschlichkeit zeigt, und andererseits homosexuell ist.
RONNY UND JURI: Reagan und Andropov als zärtliche Liebende. Hat ebenfalls Symbolcharakter.
SO NERVÖS: Danzers "Angst-vor-der-Apokalypse-Song". Viele Menschen hatten anfang der Achziger Jahre grosse Angst vor Krieg und Weltuntergang. Die Gründe darin lagen nicht zuletzt am Wettrüsten zwischen den Supermächten. Der Kalte Krieg traumatisierte Menschen in Ost und West.
EINE UTOPIE: Eine Utopie ist zumeist ein Wunschtraum. In diesem Fall versöhnen sich weltweit alle Völker und es gibt nie wieder Krieg. Man lebt in Frieden und respektiert sich gegenseitig. Ein wünschenswerter Zustand, aber leider eben nur eine Utopie.
ATLANTIS: Deutsche Übersetzung des Donovan-Klassikers.
SPACE INVADERS: Im Fernsehen sieht man täglich, wie sich Menschen gegenseitig abschlachten und wie Naturkatastrophen die Welt zerstören, während Kinder mit ihren neuen Computern Kriegsspiele spielen und jeden Bezug zur Realität verlieren. Zeitloser Song. Leider!
MENSCHLICHE WÄRME: Staaten rüsten gegenseitig auf, der Fortschritt der Technologie steigt potentiell an; alles verschlingt Unsummen an Geld. Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. Ein Lied über ein Einzelschicksal zu dem man nicht viel zu sagen braucht. Es erklärt sich von selbst.
... ABER NET ERNST: Zum Schluss noch ein kleiner Bericht zur Lage der Nation: "Die Lage ist zwar hoffnungslos, aber nicht ernst".