Dem Verfasser dieses Buches ist eine sehr kompetente und differenzierte Darstellung bioethischer Fragen zu Grenzbereichen der modernen Humanmedizin gelungen. Im Mittelpunkt steht die Diskussion der Rechte von Patienten, die nicht (mehr) selbstbestimmt handeln können, wie z.B. Ungeborene, Komatöse und schwer Demenzkranke. Die Lektüre des Buchs legt den Schluss nahe, dass in unserer Gesellschaft, die stark auf die Selbstverwirklichung des Individuums ausgerichtet ist, nur noch eine von christlichem Gedankengut bestimmte Ethik imstande ist, die Rechte dieser Menschen ausreichend zu schützen. An der medizinischen Praxis orientierte Auffassungen wie z.B. die Position der Bundesärztekammer bleiben hingegen weitgehend unbefriedigend.
Nach meiner Meinung ist es jedoch schade, dass der Autor den für die Problematik des Buchs zentralen Begriff der Menschenwürde ausschließlich aus dem theologischen Argument der „Gottesebenbildlichkeit“ herleitet, dem sich die in unserer Gesellschaft immer zahlreicher werdenden Nicht-Christen in den meisten Fällen wohl nicht anschließen können. Daraus ergibt sich die Gefahr, dass der dringend notwendige Schutz des menschlichen Lebens in allen seinen Stadien im außerkirchlichen Zusammenhang nicht mehr zwingend begründet werden kann.
Dies dürfte Wasser auf die Mühlen von utilitaristischen Philosophen vom Schlage eines P. Singer sein. Deren Positionen eröffnen Menschen, deren Selbstbestimmung stark eingeschränkt ist, bekanntlich wenig erfreuliche Lebensperspektiven. Wenn sich unsere Gesellschaft den in Eibachs Buch angesprochenen Fragen nicht verantwortungsvoll stellt, steht in nicht allzu ferner Zukunft zu befürchten, dass wir alle im Totenschein die selbe Todesursache attestiert bekommen:
„Tod durch Vorenthalten der Nahrung bzw. Abschalten der lebenserhaltenden Systeme aus ökonomischen Erwägungen“.