Ein Schizophrener begeht Selbstmord, sein alter und schwuler Lehrer wird zur selben Zeit bestialisch ermordet. Wie sich von selbst vertseht, die beiden Todesfälle hängen zusammen, aber das kann Kommissar Erlendur Sveinsson in seinem ersten Fall natürlich noch nicht wissen. Nur ganz allmählich werden die Konturen nahezu unglaublicher und in die Kreise von Wirtschaft und Forschung reichenden Machenschaften und Verbrechen an jungen Menschen offenbar. Vieles deutet darauf hin, dass diese Untaten der Vergangenheit nach fast dreißig Jahren furchtbare gerächt wurden.
Vom Sujet her finden sich leichte Anklänge an Miss Smila, vom Stil her (jedenfalls dem der deutschen Übersetzung)solche an Veit Heinichen. An Spannung fehlt es dem Roman nicht und auch nicht an guten Ideen. Die Ausführung erweist sich freilich als grob mangelhaft, was zum Teil an der schlampigen und sprachlich unzulänglichen Übersetzung Coletta Bürlings liegen mag. Die Milieustudie durch die Tristesse der Underdogs von Reykjavik, Schwulen, Lesben, Trinkern und Junkies, machen die Stadt und das Land (von dem wir außer dem schlechten Wetter wenig lesen) nicht wirklich zur Urlaubsdestination. Erlendur bleibt blaß, was wir von ihm wissen, hat uns der Autor im Plusquamperfekt episodenhaft erzählt. Das ist zwar einfacher, als die Akteure aus ihren Handlungen und Dialogen erstehen und leben zu lassen, läßt aber den Leser nicht wirklich mitleben. Erlendur ist noch lange kein Mankell'scher Wallander. Wegen der schwachen Übersetzung jedenfalls zwei Punkte Abzug.