Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise hat in den deutschen Buchhandlungen die Nachfrage nach marxistischen Standardwerken wie 'Das Kapital' stark erhöht. Das lenkt kritisches Interesse auch auf die bestehenden Arbeitsverhältnisse. Gewerkschaften haben Zulauf zu verzeichnen, Streiks und andere Protestformen stehen vor der Tür oder haben schon begonnen. Vergessen bleiben dabei die größten Verlierer der Globalisierung: Sklaven und Lohnsklaven.
Man wundert sich: Ist die Sklaverei nicht längst ein für allemal abgeschafft? In seinem Buch 'Menschenhandel' gibt der US-amerikanische Journalist E. Benjamin Skinner eine erschreckende Antwort. Heute, im 21. Jahrhundert, gibt es in allen fünf Kontinenten unserer Erde mehr Sklaven als je zuvor in der Geschichte. Fünf Jahre lang hat der Autor 12 Länder bereist, um diese unfassbare wissenschaftliche Erkenntnis konkret zu untersuchen. Er musste sie leider bestätigen. Noch heute kann man sich ohne große Probleme Sklaven und Sklavinnen für alle denkbaren Zwecke kaufen und sogar nach Deutschland einführen.
Politiker auf der ganzen Erde kümmern sich nicht mehr um das Problem. Aus Bequemlichkeit reden sie sich ein, 'die Sklaverei käme lediglich in den Geschichtsbüchern vor'. Skinner kommentiert: 'Ich wünschte, ich könnte das auch' und muss dennoch berichten, wie einfach es ihm gemacht wurde, sich in unseren Tagen Menschen zu kaufen. Oft sind Kinder der Ärmsten Handelsobjekte. Dabei werden die barbarischen europäischen Traditionen aus der Zeit des Kolonialismus übergangslos fortgeführt. Noch immer behandeln Nachfahren von Kolonisten selbst erwachsene schwarze Menschen als minderwertig, wie kleine Kinder und beuten sie als Lohnsklaven aus, wie zum Beispiel in der früheren deutschen Kolonie Namibia. Dort müssen sich die meisten Farmarbeiter ihren dürftigen Lebensunterhalt in einem System der Lohnsklaverei verdienen, das völlige Abhängigkeit vom weißen Farmer als Grundlage hat. Der nur pro forma gezahlte Hungerlohn wird meist über den Profit kleiner Ladengeschäfte der Farmer, von denen die Arbeiter abhängig sind, in die Kassen der Weißen zurückgewirtschaftet.
Im Vergleich mit Sexsklaven und geprügelten Hausangestellten, die auch in europäischen Großbürgerhaushalten vor der Öffentlichkeit versteckt ihr Dasein fristen müssen, erscheint das Leben solcher Menschen noch als weniger furchtbar. Beide Formen der Sklaverei existieren aber bis heute.
Skinners Buch rüttelt jeden Leser auf, der nicht verzweifelt und deprimiert zur Tagesordnung übergehen will. Politiker in allen Staaten der Erde sollten die Finanz- und Wirtschaftskrise auch dazu nutzen, den barbarischen Menschenhandel anzuprangern, der immer noch von Rassisten auf der ganzen Welt betrieben wird.
'Unnachgiebig und genau recherchiert, furchtlos geschrieben', kommentierte der frühere US-Präsident Bill Clinton Skinners Buch, als es in den USA erschien. Dort hoffen Menschenrechtler, dass der neugewählte Präsident Barrack Obama auch das Thema Sklaverei auf seine bereits übervolle Agenda setzen wird. 'Yes, we can' sollte auch in Europa gelten, wenn es darum geht, sich für die Abschaffung einer längst vergessenen Geißel der Menschheit einzusetzen. Skinners Buch ist eine aufrüttelnde Initialzündung dazu.