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Produktinformation
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Treichels Erfolgsroman Der Verlorene kreiste bereits um die Frage nach dem vermissten Bruder, den die Eltern auf ihrer Flucht im Januar 1945 im Osten als kleines Kind zurücklassen mussten. Als Fortsetzung dieser Erinnerungsarbeit (ein Begriff, den Stephan vermutlich verabscheuen würde), schuf Treichel nun eine Variation desselben Themas. In einem geschickten Rollentausch lässt er dabei seinen Protagonisten als Autor des eigenen Werkes auftreten. Schon damals konnte Stephan nach einem Leseabend den aufdringlichen Wilhelm, der sich partout als der vermisste Bruder fühlte, kaum mehr loswerden. Damals bekam Stephan eine Ahnung, wie lastvoll Vergangenheit werden konnte.
Dass sein Vorschlag, eine einjährige Familienauszeit, von den Töchtern und Helen, einer erfolgreichen Psychoanalytikerin, die auch zu Hause den streng milden Therapeutenton pflegt, regelrecht begeistert aufgenommen wird, irritiert den Ich-schwachen Stephan nicht wenig. Selbstfindung lautet das Stichwort, ausgerechnet für ihn, den Verweigerer allen gängigen Psycho-Vokabulars. Auf seinem Trip nach Ägypten ("sechzig Seiten TUI-Prosa in einem Flüchtlingsdrama", höhnte der Rezensent der Süddeutschen), findet Stephan Läuterung in der Affäre mit einer älteren Archäologin. Nachhause zurückgekehrt, beginnt er, dem Geflecht seiner Familiengeschichte ins Wurzelwerk zu leuchten. Als ihm schließlich aber die Geister, die er rief, gegenüberstehen, empfindet Stephan nichts als -- Ernüchterung! Sich von den Fesseln der Vergangenheit lösen zu können, dazu bedarf es des Menschenflugs.
PS.: Während sich die allermeisten Amazon-Leser durch dieses Stück Vergangenheitsbewältigung mehr als bereichert fühlten, reagierte die professionelle Kritikerkaste fast durchweg ablehnend. "Satt und lächerlich überkonstruiert", "matt und leidenschaftslos", ein Midlife-Crisis-Roman, so lauteten die Kommentare. Wie froh man für einen Moment ist, kein Profi zu sein. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .
Hans-Ulrich Treichel, am 12.8.1952 in Versmold/Westfalen geboren, lebt in Berlin und Leipzig. Er studierte Germanistik an der Freien Universität Berlin und promovierte 1984 mit einer Arbeit über Wolfgang Koeppen. Er war Lektor für deutsche Sprache an der Universität Salerno und an der Scuola Normale Superiore Pisa. Von 1985-1991 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter für Neuere Deutsche Literatur an der FU Berlin und habilitierte sich 1993. Seit 1995 ist Hans-Ulrich Treichel Professor am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig.
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