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Menschenflug
 
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Menschenflug [Gebundene Ausgabe]

Hans-Ulrich Treichel
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 233 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp (18. Juli 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518417126
  • ISBN-13: 978-3518417126
  • Größe und/oder Gewicht: 20,2 x 12,6 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 216.076 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hans-Ulrich Treichel
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Nicht, dass ihn das Flüchtlingsschicksal seiner Eltern bis jetzt sonderlich interessiert hätte. Das Wühlen im Gestern, das Hegen zarter Familienbande, zählt nicht zu seinen Lieblingsfächern. Andere, eigene Sorgen sind es, die Stephan an den Vater denken lassen. Den Akademischen Rat mit dem beziehungsreichen Fachbereich „Deutsch als Fremdsprache“ plagen diffuse Herzbeschwerden. Sein zweiundfünfzigster Geburtstag nähert sich und der Vater war mit vierundfünfzig an einem Herzinfarkt verstorben. Das Gefühl der eigenen Endlichkeit umfängt den Sohn. Stephan beginnt, die tief verborgenen Wurzeln namens Herkunft zu spüren, die ihn zu erreichen suchen.

Treichels Erfolgsroman Der Verlorene kreiste bereits um die Frage nach dem vermissten Bruder, den die Eltern auf ihrer Flucht im Januar 1945 im Osten als kleines Kind zurücklassen mussten. Als Fortsetzung dieser „Erinnerungsarbeit“ (ein Begriff, den Stephan vermutlich verabscheuen würde), schuf Treichel nun eine Variation desselben Themas. In einem geschickten Rollentausch lässt er dabei seinen Protagonisten als Autor des eigenen Werkes auftreten. Schon damals konnte Stephan nach einem Leseabend den aufdringlichen Wilhelm, der sich partout als der vermisste Bruder fühlte, kaum mehr loswerden. Damals bekam Stephan eine Ahnung, wie lastvoll Vergangenheit werden konnte.

Dass sein Vorschlag, eine einjährige Familienauszeit, von den Töchtern und Helen, einer erfolgreichen Psychoanalytikerin, die auch zu Hause den streng milden Therapeutenton pflegt, regelrecht begeistert aufgenommen wird, irritiert den Ich-schwachen Stephan nicht wenig. „Selbstfindung“ lautet das Stichwort, ausgerechnet für ihn, den Verweigerer allen gängigen Psycho-Vokabulars. Auf seinem Trip nach Ägypten ("sechzig Seiten TUI-Prosa in einem Flüchtlingsdrama", höhnte der Rezensent der Süddeutschen), findet Stephan Läuterung in der Affäre mit einer älteren Archäologin. Nachhause zurückgekehrt, beginnt er, dem Geflecht seiner Familiengeschichte ins Wurzelwerk zu leuchten. Als ihm schließlich aber die Geister, die er rief, gegenüberstehen, empfindet Stephan nichts als -- Ernüchterung! Sich von den Fesseln der Vergangenheit lösen zu können, dazu bedarf es des Menschenflugs.

PS.: Während sich die allermeisten Amazon-Leser durch dieses Stück Vergangenheitsbewältigung mehr als bereichert fühlten, reagierte die professionelle Kritikerkaste fast durchweg ablehnend. "Satt und lächerlich überkonstruiert", "matt und leidenschaftslos", ein „Midlife-Crisis-Roman“, so lauteten die Kommentare. Wie froh man für einen Moment ist, kein Profi zu sein. --Ravi Unger

Pressestimmen

»Als erheiternder Roman von beträchtlichem Tiefgang ist er in der deutschen Literatur eine Rarität. Und zugleich unverkennbar von Treichel.« (Neue Zürcher Zeitung am Sonntag )

»Diese Chronik des Scheiterns erzählt Hans-Ulrich Treichel mit einem lakonischen, hintersinnigen Witz und manchmal mit bitterer Ironie. Man hat diese Stillage in seinem Buch Der Verlorene lieben gelernt.
... selten sind Männer in der Midlifekrise so komisch dargestellt worden. [...]
Wunderbar erzähltes Buch ...«

»Wenn Hans-Ulrich Treichel von einer Kindheit erzählt, ... dann erzählt er auch immer von einem Leben in den Gründerjahren der Bundesrepublik, von der Bereitschaft mit allzu wenig zufrieden zu sein, wenn nur der Tisch gedeckt war, und vom nachhaltigen Unglück, das diese Haltung erzeugen kann. Das klingt geradezu furchtbar ernst, ist aber in der Lektüre das genaue Gegenteil davon. Denn die Trauer und die Tragik von Treichels Prosa ist stets sorgfältig eingewickelt in eine grundlegend und bis in die Syntax durchhumorisierte Sprache.« (Die Tageszeitung )

»Mit dem Roman Menschenflug knüpft Hans-Ulrich Treichel thematisch an seine - auch international - erfolgreiche Erzählung Der Verlorene an.
... eine raffinierte Weiter-Bearbeitung eines Themas, das den Autor nicht loslässt.« (RBB Kulturradio )

»Ulrich Treichel porträtiert mit leiser, weiser Ironie einen Antihelden. [...]
Treichel, Professor am Leipziger Literaturinstitut, hat ein feines Gespür für die deutsche Wirklichkeit, für Charaktere, für Sprache – sein jüngster Roman beweist es erneut.« (Sächsische Zeitung )

»Treichels Roman ist, ... ein Meisterwerk.« (Neue Zürcher Zeitung am Sonntag )

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Hans-Ulrich Treichel hat einen wunderbar leisen und lesenswerten Roman geschrieben, der die Tiefen eines Charakters auslotet und dabei niemals geschwätzig daherkommt.
Wir lernen den zweiundfünfzig Jahre alten Stephan kennen, einen Mann, der über sein Leben, verpasste Chancen und seine Herkunft nachdenkt. Von seiner Frau, einer Psychoanalytikerin, hat er sich auf Zeit getrennt. Denn es gibt einen auf der Flucht verlorenen Bruder, mit dem er sich bereits literarisch auseinandergesetzt hat. Nun holt ihn die für ihn vermeintlich unwichtige familiäre Vergangenheit wieder ein...
Hans-Ulrich Treichel erzählt bedächtig, ruhig und ohne Larmoyanz, sozusagen auch über Gott und die Welt, ohne das der Leser sich gelangweilt oder unterfordert fühlt. Und immer wieder schälen sich dabei auch Erkenntnisse für den Leser heraus, ohne das Treichel jemals belehrend wird.
Ein wohltuendes Buch!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Helga König #1 HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Diffuse Ängste plagen Treichels zur Schwermut neigenden Protagonisten, Stephan. Der Wahl- Berliner steht gerade vor seinem zweiundfünfzigsten Geburtstag. Akademischer Rat sowie erfolgreicher Schriftsteller ist er und verheiratet mit Helen, einer ebensolch erfolgreichen Psychoanalytikerin. Die Ehe, die er mit ihr führt, ist nicht unglücklich. Geliebt und verstanden fühlt er sich von dieser Frau. Obgleich seine Lebensumstände keinen Grund zur Besorgnis liefern, spürt Stephan jedoch tiefen Kummer und sein Herz beginnt zu stolpern. Er entschließt sich eine " Auszeit" von Job und Familie zu nehmen, um sich mit den Ursachen für seine immer wiederkehrende Tristesse auseinander zu setzen. Er weiß, dass die düstere Stimmung mit seiner unverarbeiteten Kindheit, der Flucht seiner Eltern aus dem Osten nach 1945 und dem auf dem Treck verloren gegangenen Bruder zusammen hängt. Er erinnert sich der pausenlosen Schuldgefühle seiner verstörten Mutter, der Aggressivität seines kriegsversehrten Vaters und des nie enden wollenden Gefühls bloßer Ersatz zu sein. Diese Verunsicherungen schleppt Stephan seit seiner Kindheit mit sich herum und zeigen sich im Ansatz in nicht offen zum Ausdruck kommender Eifersucht gegenüber Helens geschiedenem Mann, sowie diversen Furchtsamkeiten. Nach Ägypten reist Stephan und besucht Stätten archäologisch bedeutender Ausgrabungen. Dort hat er, wenn man so will, ein Schlüsselerlebnis mit einer beinahe sechzigjährigen Archäologin. Nachhause zurückgekehrt, beginnt er daraufhin die alte Familiengeschichte auszubuddeln. Er besucht seine Geschwister, sucht schließlich nach seinem Bruder und befasst sich mit den wolhynischen Wurzeln seiner Vorfahren. Seine familiäre Sehnsucht läßt den entwurzelten Stephan sogar an einem landsmannschaftlichen Treffen von Wolhyniern teilnehmen, das allerdings ebenso abschreckend auf ihn wirkt, wie die Begegnung mit seinem vermeintlichen Bruder. Der Osten bleibt Stephan fremd und sein verloren gegangener Bruder ein Phantom, welches im Grunde auch im Jetzt keinen realen Platz erhalten kann. Indem sich der Wanderer zwischen zwei Welten vom Gestern verabschiedet, wird sein bleischweres Herz leichter, federleicht.... Nur derjenige, der sich von Anhaftungen löst, hat die Chance zu schweben und der alten Idee des Menschenflugs nahe zukommen. Vielleicht gelingt Stephan am Ende seine Reise zu sich selbst genau eben dies....
Ein wirklich, empfehlenswertes Buch, welches sich auf subtile Weise mit Vergangenheitsbewältigung auseinandersetzt und dabei aufzeigt, wie der uneingestandenene Trübsinn der alten Verdrängergeneration auf deren Kinder projiziert worden ist und diesen mitunter bis zum heutigen Tag das Leben schwer macht!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Unterhaltend 2. Oktober 2005
Von Ulf Evers VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Das Buch „Der Verlorene" habe ich nicht gelesen, daher fehlt mir möglicherweise ein Zugangsstrang zu diesem Buch, aber ich kann versichern, dieses Buch läßt sich lesen, ohne das andere vorher gelesen zu haben.
Es ist teilweise witzig, durchweg gut geschrieben und unterhaltsam.
Ich weiß nicht mehr genau wann, aber irgendwann während des Lesens fing ich an, mich zu fragen, woher ich den Stephan kenne oder warum er mir bekannt vorkommt. Es dauerte dann nicht mehr lang, dann war ich mir sicher, daß Stephan mich an Alexander Sowtschick und Treichels Art zu schreiben mich an Walter Kempowski erinnert.
Dies ist nicht schlimm, aber ab da war ich mir sicher wie das Buch ausgehen würde. Und als Stephan von seinem Bruder im Geiste im Krankenhaus besucht wird, und der Begriff „Schöne Aussicht" fällt, da war mir klar, daß auch Treichel die Nähe zu Kempowski bewußt war und sie vielleicht sogar suchte.
Alles nicht schlimm, aber solange es Kempowski noch gibt, lese ich lieber das Original und mir fehlte auch Kempowskis Tiefe, dies Buch wirkt zum Ende hin doch zu sehr nachahmerisch.
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