Die Oldenburger Professorin Astrid Kaiser hat ein persönliches Plädoyer für eine menschliche Bildung zur Kastrophenvorbeugung und - begegnung verfasst. Ihr gelingt es, ein alltäglich gewordenens Phänomen - nämlich die Befassung mit Katastrophen unterschiedlicher Art - für die schulische Bildung aufzuarbeiten.
Kinder und Jugendliche werden oftmals unmittelbar über Medien mit Klima- und Kriegskatastrophen konfrontiert, ohne dass ihnen adäquate Umgangsmöglichkeiten an die Hand gegeben werden. Ebenso wenig sind Pädagoginnen und Pädagogen auf die wachsende Flut an Katastropheninformationen vorbereitet und müssen vielfach zeitnah auf bestimmte Phänomene reagieren.
Das Buch hat zwar vor allem die Schule im Blickfeld, appelliert darüber hinaus aber auch an alle anderen Menschen, auf Katastrophen vorbereitet zu sein oder sie zu verhindern - und sei es nur im Kleinen.
Wie nah die einzelnen Katastrophen gehen können, zeigt Frau Kaiser immer wieder durch persönliche Erlebnisse auf und nimmt regelmäßig Bezug auf auch in Deutschland nachwirkende Katastrophen. Es wäre schön gewesen, wenn die einzelnen Ereignisse und Geschehnisse etwas näher erläutert worden wären; zum Beispiel durch ein Glossar oder eine tabellarische Übersicht der benannten Katastrophen. So ist der Leser und die Leserin darauf angewiesen, selber zu recherchieren, was es mit welcher Katastrophen tatsächlich auf sich hat - oder man ist auf eine hohe Allgemeinbildung angewiesen.
Das Buch ist so aufgebaut, dass in den einzelnen Kapiteln immer wieder gezeigt wird, welche konkreten Möglichkeiten es gibt, auf die Bildung der jungen Menschen einzuwirken mit ganz speziellen Projekten und Haltungen.
Es wäre aber etwas einfallsreicher gewesen, wenn diese grau unterlegten Vorschläge nicht immer mit der Überschrift "Was heißt das für die Schule?" tituliert worden wären.
Ansonsten regt das Buch ungemein an, im schulischen und pädagogischen Alltag Inhalte zu vermitteln bzw. zu erarbeiten, die erkennen lassen, dass wir nicht mehr isoliert wirken, sondern im "globalen Dorf" leben, wo eins mit dem anderen zusammenhängt.
Dies wird zudem in den zahlreichen schwarz-weiß und farbig abgedruckten Gemälden deutlich, welche aus unterschiedlichen Epochen stammen und diverse Menschheitsphänomene wie auch Katastrophen thematisieren.
Eine tolle Ergänzung böten hier jedoch Fotos von durchgeführten Schulprojekten, die den Buchtitel "Menschenbildung in Katastrophenzeiten" noch präsenter machen würden.
Astrid Kaisers 10 Thesen unter dem Titel "Erziehung und Bildung wohin?" geben eine hervorragende Quintessenz ab und fassen ihre Ausführungen noch einmal hervorragend zusammen.
Das Literaturverzeichnis bezeugt noch einmal, wie wesentlich die Autorin eine gut vernetzte Welt erachtet, in der im Kleinen wie im Großen auf eine menschen- und naturachtende Umgangsweise geschaut wird.
Im Gesamten eine überaus hilfreiche, Zusammenhänge aufzeigende Lektüre, die über spezifische Konzentrationen auf einzelne Phänomene hinausführt und damit zeigt: das Leben auf dieser Erde bedarf eines Schöpfung- und Menschen achtendes Zusammenlebens von klein auf an, damit das Menschsein Gegenwart und Zukunft hat!