Was? Noch keine Rezension vorhanden? Dann wird's aber Zeit!
Ich habe schon oft hier bestellt und schon einige gute Bücher gelesen, mir jedoch noch nie die Mühe gemacht, eine Rezension zu schreiben. Bei diesem Buch aber kann ich gar nicht anders, so exzellent finde ich es, und zwar von der ersten bis zur letzten Zeile!
Es ist sicher nichts für Leute, die dazu neigen, alles zu beschönigen und zu verniedlichen. Es sei denn, um sie einmal mit der schnurgerade herausgesagten Wahrheit aus dem Tiefschlaf zu erwecken.
In dem Buch geht es Larry Winget nicht darum, wie dumm Menschen etwa IHM gegenüber wären, sondern darum, wie dumm sie sich selbst gegenüber so gerne sind. (Er nimmt sich da auch selber nicht aus.) Kern des Buches ist, mit welchen Denkschemata oder Selbstverblendungen wir uns selber sabotieren oder jedenfalls ständig im Weg herumstehen, und zwar in allen möglichen Bereichen des Lebens, seien diese nun beruflich oder privat.
Seine geerdete, unverblümte und zuckerguss-freie Art, uns mit der Nase auf jene Mechanismen zu stoßen, die uns zu an sich unlogischem Verhalten verlocken, finde ich so wohltuend authentisch wie erfrischend. Gepaart mit seinem trockenen Humor und dem direkten Stil, ist dieses Buch eines, das einem, überspitzt gesagt, schon "in die Wiege gelegt worden" sein sollte.
Jammern und Lamentieren über (oftmals rein selbst gemachte) Misserfolge führt er mit seinen bestechend klaren Sichtweisen und Argumentationen ad absurdum, bis man - so man gewillt ist, einmal "in den Spiegel zu schauen" - regelrecht über sich selbst schmunzeln muss.
Ich persönlich finde, Larry Winget ist trotz seiner schonungslosen Offenheit an keiner Stelle je beleidigend. Es sei denn, man fühlt sich durch die simple Wahrheit über unser Menschsein beleidigt. Das kann nur jede/r für sich entscheiden. Er sagt ja selbst: "Die Wahrheit macht uns frei." (wie's ja schon, wenngleich ich nicht sehr bibelfest bin, in der Bibel steht, soviel ich weiß) und fügt dann hinzu: "Aber zuerst einmal kotzt sie uns an." - oder so ähnlich, ich habe das Buch gerade nicht bei der Hand.
Was ich besonders erfrischend finde, ist, dass endlich einmal jemand nicht so lauwarm und eingeschüchtert vom Zwang der "political correctness" daherschreibt und sich auch sonst keine Zeile so liest wie die tausenden Bücher irgendwelcher Motivations- und/oder Lebenshilfe-Gurus, von denen der Markt schon bis zum Erbrechen überschwemmt ist.
Ich hatte zuvor schon ein anderes Buch von ihm gelesen: "Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!", und das hat mir schon sehr gefallen. Aber DIESES hier schlägt einfach alles!
Ich habe es heute einem meiner Maturanten (in Deutschland: Abiturienten) in die Hand gedrückt, mit der Auflage, es noch heute von der ersten bis zur letzten Zeile zu lesen, damit er endlich seinen Allerwertesten hoch kriegt, anstatt sich nur selbst leid zu tun und in Ausflüchten zu ergehen - beides eine Spezialität von ihm - wenn er wieder einmal aus eigenem Verschulden hinten und vorne nichts auf die Reihe kriegt. Das ist eine dumme Gewohnheit, die in unserer ganzen Gesellschaft nur allzu weit verbreitet ist. Ist ja auch äußerst bequem, nur führt es den Einzelnen zu nichts.
Ich weiß, dass es ihm helfen wird. Weil es so simpel und geradeheraus an die Dinge und an die Menschen herangeht. Und weil es ebenso spannend wie überzeugend ist, aber nicht durch blanke Rhetorik, sondern duch echte Logik. Ich hasse Schwarz-Weiß-Denken. Dennoch ist aber nicht alles nur "Grauzone" oder kompliziert. Das zeigt Larry auf eine Weise auf, die nicht mal mich stört, ganz im Gegenteil sogar. Es gefällt mir, wie unerschrocken er dem Leser, der Leserin gegenüber tritt und einem sämtliche "Schleier" (Verschleierungen...) vom Gesicht nimmt, sodass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als einmal wirklich hinzugucken auf sich selbst.
Nach der eigenen Lektüre des Buches gestern war es mir auch selbst viel einfacher möglich, in einem Gespräch mit besagtem Maturanten ganz klare Worte zu finden, was doch eine weit bessere Orientierungshilfe darstellt als das übliche "Herumgerede" (oder, wie Winget es nennt: substanzlose Gewäsch :-D) Interessanterweise hat er, der Maturant, sich hernach sogar bedankt, "für diesen Tritt in den Hintern", wie er sagte. Er wirkte dabei sogar ziemlich erleichtert.
Ein - sehr sinnvoller - "Tritt in den Hintern" ist dieses Buch wahrlich. Ich denke, sein Kern bzw. seine Botschaft lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Selbstverantwortung. (um die wir uns nur zu gerne drücken, was uns letzten Endes jedoch mehr schadet als nützt)
Larry Winget serviert und seine Botschaft aber eben nicht im üblichen Blabla udn Quaqua der oben genannten "Gurus", sondern frei heraus, kurzweilig, amüsant (ohne Verniedlichungsfaktor) und einprägsam. Darüber hinaus belässt er es nicht beim bloßen Spielgel-Vorhalten, sondern sagt auch ganz klar, WIE man künftig an diverse Probleme und Problemchen herangehen kann und soll. Es sind alles Dinge, die einem bis zu einem gewissen Alter (ich selbst bin 40) auch schon das Leben höchst selbst "beigebracht" hat. Larry Winget fasst es nur ganz exzellent und klar in Worte und bringt vieles, was wir ganz ohne Bücher, zumindest so "diffus", schon gelernt haben im/vom Leben, auf den Punkt. Eine Wohltat und ganz wunderbare Orientierungshilfe durch den (scheinbaren) "Dschungel" des täglichen Lebens und Zusammenlebens!
Ich behaupte sogar, wer offen für offene Worte ist, kann sich gar langwierige und teure Therapien ersparen. (Aber nur dann.) Und das habe ich noch nie von einem Buch gesagt, obwohl ich schon sehr viele gelesen habe.
Alle verfügbaren Punkte für dieses Buch, und noch einen weiteren dazu!
(Ich habe mir soeben das Hörbuch dazu bestellt. Gibt's allerdings bisher nur auf Englisch. Ich bin gespannt und freu mich drauf.)