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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Momentaufnahmen der menschlichen Seele, 23. Juni 2005
In Vicki Baums "Menschen im Hotel" geht es tatsächlich um Menschen -- und um ein Hotel. So stellt man sich ein Berliner Luxushotel der 1920er Jahre vor: Gediegen und mit diskretem Personal, mit Wintergarten,Tea-Room, großer und kleiner Speisesaal, Springbrunnen in der Halle usw. Bevor die eigentliche Handlung einsetzt, lernt man den Ort und seine Atmosphäre kennen. In diesem Roman geht es um eine Handvoll Menschen, deren Wege sich hier kreuzen -- zufällig meist, manchmal auch gewollt: die alternde russische Ballerina Grusinskaja, die ihre besten Zeiten hinter sich hat, und der attraktive und nicht ganz ehrbare Baron Gaigern; der todkranke Hilfsbuchhalter Kringelein, der endlich "das Leben" kennenlernen will; der biedere Fabrikbesitzer Preysing, dem hier diffizile Verhandlungen bevorstehen; der von einer Kriegsverletzung entstellte Dr. Otternschlag; das Aktmodell "Flämmchen" und noch einige andere. Das Grand Hôtel dient als Kristallisationspunkt, als Katalysator all der vielen Handlungsstränge. In den nun folgenden vier Tagen und Nächten lernt man diese Menschen genauer kennen, oft aus verschiedenen Blickwinkeln; ihre Schicksale überschneiden sich, bilden einen Reigen. Jedes Kapitel erzählt aus Gegenwart und Vergangenheit einer oder mehrer Figuren, leuchtet in diesen Momentaufnahmen ihr Seelenleben aus -- um dann den Leser abrupt zum nächsten Handlungsstrang zu führen. Scheinbare Nebensächlichkeiten haben große Wirkung, und jeder tut etwas Unerwartetes und beeinflusst damit auch wieder das Leben der anderen. Den Rahmen für all diese Geschehnisse bilden die Sorgen des Portiers und werdenden Vaters Senf, dem am Ende die Geburt einer gesunden Tochter mitgeteilt wird. Und da sich moderne Leser oft nicht trauen, naiv zu sein, nimmt ihnen ein Page die Mühe ab und spricht es aus: "Sonderbar ist es mit den Gästen im großen Hotel. Keiner verlässt die Drehtür so, wie er hereinkam." Dieser "Kolportageroman mit Hintergründen" (so der Untertitel) ist allerbeste Unterhaltungsliteratur! Sein Aufbau erinnert an ein klassisches Bühnenstück, nicht nur wegen der Einheit von Zeit und Raum. Vicki Baum versteht es, die Stimmungen ihrer Protagonisten und die Berliner Atmosphäre der "wilden Zwanziger" authentisch zu vermitteln. Vielleicht besteht ihr Geheimnis darin, dass sie exakt beobachtet und doch Mitleid mit ihren Figuren hat, sie ernst nimmt. Alle wollen sie irgendwie aus ihrem Leben ausbrechen -- und manchen gelingt das sogar.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Schicksalhaftes Gefüge!, 2. März 2007
Vicki Baum errang mit diesem 1929 erschienenen Roman Weltruhm! Sie selber lieferte schließlich auch die Vorlage für die Verfilmung "Grand Hotel" mit Greta Garbo und für ein seinerzeit ungeheuer erfolgreiches Bühnenstück. Da Vicki Baum eine Vielschreiberin war, sind viele ihrer Werke inzwischen nur noch einer kleinen Leserschaft bekannt. "Menschen im Hotel" aber ist das bleibende Zeugnis ihrer Kunst. Ich habe diesen Roman immer wieder wahrgenommen, aber erst durch die just erschienene Biographie von Nicole Nottelmann jetzt gelesen. Es ist ein großartiges Buch, dass durchaus das Zeug zum Klassiker hat. "Menschen im Hotel" ist ein Genremix aus Unterhaltungsroman, Kriminalgeschichte und Kolportage. Ein besonderer Reiz liegt darin, dass es keine Hauptperson gibt, sondern dass sich mehrere Schicksale treffen und verknüpfen. Die Handlung in einem Luxushotel der Zwanziger Jahre anzusiedeln verstärkt diesen Effekt zusätzlich. Es sind ganz unterschiedliche Menschen, die sich zufällig im Hotel treffen: Der Hilfsbuchhalter Kringelein, der bald sterben wird und beschließt die letzten Wochen seiner kleinen Existenz im Luxus zu verbringen; eine russische Ballerina, die verzweifelt versucht, in Berlin an ihre großen Erfolge anzuknüpfen; der Fabrikant Preysing, der große finanzielle Sorgen hat; Baron von Geigern, der es auf die Perlen der Grusinskaja abgesehen hat und die Sekretärin Flämmchen, die immer auf dem Sprung ist... Sie alle werden das Hotel wieder verlassen, aber einschneidende Erfahrungen gemacht haben. Vicki Baum erzählt mit Leichtigkeit von einem komplizierten Beziehungsgeflecht. Die Wege aller kreuzen sich, laufen wieder auseinander und sie alle sind am Ende nicht mehr die gleichen Menschen. Alle Figuren sind enorm lebendig charakterisiert, so dass lebhafte Bilder vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen. Spannungsreich, pointiert, lebendig ist Vicki Baums Roman heute so lesbar wie vor 75 Jahren. Grandios!
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beeindruckend!, 23. August 2007
Immer schon wollte ich etwas von Vicky Baum lesen. Da wurde mir von Bekannten "Menschen im Hotel empfohlen". Den Film habe ich nie gesehen und war deshalb völlig unvoreingenommen. Das Buch hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Nicht, dass es spektakuläre Dinge beschriebe. Nein, Menschen aus allen Schichten der Gesellschaft werden charakterisiert. Und das, in einer wirklich einfühlsamen und sehr spannenden Weise. Das wirklich Erstaunliche ist jedoch, dass das Buch so alt ist und an seiner Frische nichts eingebüßt hat. Es ist so modern und als Mensch des 21. Jahrhunderts erschrickt man fast, dass die Zeit zwar verging, die Sorgen und Nöte der Leute jedoch durchaus vergleichbar blieben. Vicky Baum scheute nicht vor einer sozialkritischen Betrachtung der Gesellschaft zurück. Alleine dies macht das Buch lesenswert. In keinsterweise kommt dieser Roman einer Rosamunde Pilcher "Schmonzette" gleich. Menschen im Hotel ist kein Liebesroman, es ist ein lesenswertes Buch, dass tiefgründig mit hoher sozialer Kompetenz, Menschen und deren Lebensbeziehungen als Momentaufnahme skizziert.
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