... jedenfalls nicht mit bloßem Auge. Schätzungsweise hundert Billionen (Billionen, nicht Millionen) Mikroorganismen bevölkern unseren Körper. Von den zwei bis drei Millionen verschiedenen Arten sind nur zwei- bis dreihundert krankheitserregend. Allerdings sind Infektionen weltweit die Todesursache Nummer eins: Ein Drittel der Menschen sterben an den Folgen einer Infektion.
Das handliche Bändchen gibt auf 128 Seiten einen schnellen Überblick über die Geschichte und den gegenwärtigen Stand der Infektionskrankheiten. Für Studenten der Biowissenschaften und der Medizin, die sich einen schnellen und preiswerten Überblick verschaffen wollen, und Schüler der Oberstufe, ist es ein guter Einstieg. Aber auch allen, die sich beruflichem oder aus persönlichem Interesse grob informieren wollen, kann das Bändchen empfohlen werden.
Jörg Hacker, Professor für Mikrobiologie, stellt die Erreger im Zusammenhang mit ihrer geschichtlichen und gesellschaftlichen Bedeutung dar. Er bezieht auch schon mal große Literatur mit ein; Thomas Mann und Albert Camus, beispielsweise, haben ihren Auftritt. Diese Exkurse machen das Buch leicht lesbar und auch für den Laien interessant. Neben den Infektionen der verschiedenen Organe und der Entwicklung von Therapiemöglichkeiten, wird auch der Missbrauch von Mikroorganismen als Biowaffen besprochen.
Der Leser erfährt vielleicht manches Überraschende. Beispielsweise, warum es sinnvoll ist die Flussblindheit, die durch einen Fadenwurm hervorgerufen wird, mit Antibiotika zu bekämpfen. Was das Bändchen in meinen Augen für den Leser besonders wertvoll macht, sind die Hinweise darauf, inwiefern wir unsere eigene Denke kritisch überdenken sollten. So stufen wir die physikalischen Gefahren durch Strahlen oder chemische Stoffe gerne relativ hoch ein, obwohl eine erhöhte Anzahl von Erkrankungen oder Todesfälle in vielen Fällen nur schwer oder gar nicht nachweisbar ist. Andererseits vernachlässigen wir die biologischen Risiken durch pathogene Mikroorganismen sträflich, obwohl (oder vielleicht weil ?!) die Zahlen klar und deutlich vorliegen. Besonders empfehlenswert ist das Kapitel "Infektionen als Metapher". Hier zeigt der Autor, wie durch die Zeitgeschichte hindurch - bis heute - das Auftreten von Seuchen missbraucht wurde, um politische oder religiöse Botschaften zu transportieren.
Das Sachregister erleichtert das Nachschlagen. Kleinere Ungenauigkeiten wollen wir mal nicht so hoch hängen (mal haben wir jährlich 2,3 Millionen AIDS-Tote, mal 3,1 Millionen; ist so und so grauenhaft). Vielleicht hätte die Bekämpfung von Bakterien durch Bakteriophagen (Viren, die Bakterien befallen) noch erwähnt werden können, auch wenn diese Therapie noch keine große medizinische Bedeutung hat; denn immerhin ist dies ein ganz anderer Ansatz, der im Licht der zunehmenden Resistenzentwicklung gegen Antibiotika bedeutsam werden könnte. Nur vier statt fünf Punkte gibt's, da es ein kleines, leichtes Bändchen ist, nicht so das "ganz große" Werk. Aber empfehlen tue ich es den angesprochenen Zielgruppen auf alle Fälle.