Schon ein sehr interessantes Buch, das muss ich zugeben, dennoch gibt's da einiges, was mich gestört hat. Zunächst ist die Darstellung von Maria und Joseph in diesem Buch mal ganz anders als man es sonst kennt, das ist sehr gut gemacht. Joseph wirkt recht verbittert und verärgert, fast schon gekränkt, als er sich der schwangeren, um vieles jüngere Maria annehmen muss und will mit dem Kind Jesus eigentlich nicht viel zu tun haben. Maria entgegen diesem aufgeklärten und weisen Bild, was immer vermittelt wird ist hier nicht viel mehr als eine etwas tumbe, einfache Frau, was etwas realistischer wirkt. Interessant sind die jungen Jahren von Jesus hier, wenn auch etwas zu lang. Aber gut ist, dass Jesus nicht von Anfang an weiß, wer er ist und was seine Bestimmung ist, sondern dass er da erst schrittweise selbst hinfindet. Auch gut dargestellt sind seine Wunder, die natürlich keine Magie, sondern für diese Zeit sehr moderne medizinische und alchemistische Anwendungen sind. Des weiteren ist die Darstellung der Jünger gut, da hier mal ein paar der Jünger besser dargestellt und mit Leben versehen werden als die üblichen. Nicht gelungen ist, wie Jesus populär wird. Hätte sich Jesus so bei Predigten und Lehren verhalten wie hier im Buch wären ihm bestimmt nicht so viele Leute gefolgt. Auch wie er sich gegenüber seinen Jüngern verhält ist ziemlich heftig teilweise, da wirkt er fast wie ein richtig mieser Kerl manchmal. Gut wiederum sind die politischen Intrigen und Taktiken, die um Pilatus, Herodes und die hohen Priester gestrickt werden. Fast das ganze Buch über beraten eben diese wie man auf die Ankunft des Messias reagieren kann, muss, sollte etc. Sehr enttäuschend, fast schon etwas lächerlich ist es, dass der Autor nur 21 von über 650 Seiten auf Verhaftung, Folter, Kreuzigung und Tod von Jesus verwendet, als wäre das ein unwichtiges Detail. Wiederum interessant ist das Ende, eine sehr gewagte, noch nie da gewesene Variation.
Also, lesenswert ist es, aber doch mit einigen Schwächen und Durststrecken