Um das Buch fair zu beurteilen muß man sehen, daß es vor fast 15 Jahren (1987) geschrieben wurde. Um es auf den Punkt zu bringen, Dahlkes Stärke ist auch seine Schwäche. In fast kompromißloser Offenheit vermag er es, seinem urprinzipiellen Ansatz gemäß, einen Streifzug durch mehrere Bereiche der Psychologie, der Weisheitslehren und der Naturwissenschaften zu vollziehen und diese elegant zu verbinden. Dabei tänzelt er allerdings zwischen einem reduktionistischen Ansatz, daß nämlich die moderne Physik die alten Weisheitslehren stütze oder beweise, und dem Wissen, daß die alten Weisheitslehren dieser Unterstützung gar nicht bedürfen hin und her. Seine hermetische Sichtweise stellt dabei Analogien her, die mir hier und da erzwungen scheinen, auch wenn Dahlke, der gut schreibt, sie sehr plausibel ausgestaltet. Das Grundproblem Dahlkes ist folgendes: Er beruft sich auf der einen Seite auf die Natur und erkennt den Menschen als eingebettet in die Natur, als Teil des Ganzes. Auf der anderen Seite steht seine esoterische Sichtweise, derzufolge der Mensch sich nicht nur mit der Natur vereinen, sondern sogar über sie hinauswachsen und nach Meister Eckehart und anderen sogar über Gott hinauswachsen kann. Die Natur ist also in Gott und Gott ist im (Bewußtsein des) Menschen. Der Mensch kann aber nicht gleichzeitig Teil und Ganzes sein, dies ist auch Dahlke klar und er formuliert ein sowohl-als auch. Dabei verkennt er meines Erachtens, daß der Mensch (sein Bewußtsein)als Teil des Ganzen die Reise beginnt (aus dem weitgehend unbewußten Tierreich kommend) und die Reise in der Ganzheit der Bewußtseins endet und dann ist der Mensch (sein Bewußtsein) kein Teil mehr. Diese Ambivalenz sieht Dahlke, doch dann macht er den Fehler, der Natur (z.B. den Tieren) menschliche Werte und moralische Beweggründe anzudichten ("Es gibt sicherlich genauso viele Beispiele in der Natur, die gegenseitige Hilfe belegen, wie solche der gnaden-losen Konkurenz."), die diese nur in sehr beschränkten Umfang hergibt. Aber höhere Ethik, Philosphie oder gar Esoterik wird man im Tierreich schlicht nicht finden. Dahlkes Grundansatz in diesem ist eher romantischer Art, daß nämlich in der Kindheit/Frühzeit der Mensch der Einheit näher war. Diese Nähe ist aber der dumpfe Schlummer der unbewußten Einheit die dann keine echte Einheit mehr ist. Dahlke versucht die Natur zu retten, weil er weiß, wie schlimm es sein kann die eigene Natur (und auch die Umwelt) zu unterdrücken. Sein Buch ist auch ein Plädoyer dafür, die Sensibilität für die Natur zurückzuerobern, doch dies ist ein Weg vorwärts, zur Einheit von Körper und Geist und keine Regression auf die rein archaisch-naturhafte Stufe (die denGeist nicht kennt). Davon abgesehen, ist dieses Buch ein eleganter Einblick in die Vernetzung des Kosmos und da Dahlke Bücher nach meinem Empfinden immer gut zu lesen und absolut lohnenswert sind auch für dieses noch gute 4 Sterne.