Das Buch zeigt den wirklich spielerischen Aufbau der sportlichen "Unterordnungsübungen". Das ist keine Unterordnung (Mensch=Chef, Hund=Untergeordneter, der gehorchen MUSS), sondern Team work. Es ist auch keine "Abrichtemethode" über den Jagd- und Beutetrieb!!! Das ist Spiel, abgeleitet aus dem Spielverhalten der Hunde und berücksichtigt eigentlich alle Motivationsbereiche, wenn auch (leider) das Beutespiel in diesem Buch so stark überbetont wird, das anscheinend mancher meint das Anbeißen und Festhalten der Beute sei die Hauptsache (in Hunde Zeitschriften standen unglaubliche Kritiken, das diese Beutespielerische Ausbildung Hunde scharf und unkontrollierbar machen würden - die haben das Prinzip gar nicht verstanden, weil sie nicht wollten, oder weil Lind teilweise nicht besonders verständlich schreibt, das kann man nicht wissen). Der Hundeführer führt das Spiel an und bleibt damit der Führer. Tüchtigkeit, d.h. Aktivität des Hundes wird belohnt, was den Hund dazu veranlaßt sich aktiv am Geschehen zu beteiligen, und ihn motiviert. Die Ausführung der Übungen, ohne Zwang gelehrt, führt zur freiwilligen Ausführung (gut dargestellt in den Büchern von B. Laser, M. Pietralla und M. Spector über das Clickertraining). Viele Ideen und methodische Aspekte sind hervorragend, wenn allerdings auch Herr Lind nicht der alleinige "Erfinder" ist, sondern nur derjenige, der alles zusammengetragen und zusammenhängend dargestellt hat, um es perfekt zu verkaufen, einschließlich patentierter Hundespielsachen. Auf einem Obedience Seminar habe ich ein Video gesehen, das zeigt, wie eine Engländerin ihren Whippet für Obedience ausgebildet hat. Dies beinhaltete soviel der angeblich einzigartigen "Lind-art", wenn auch dem Windhund angemessen, betont Laufspiele eingesetzt wurden, und das war sicher nicht die einzige, die diese Art des Ausbildens beherrschte, ohne Herrn Linds Buch. Dieses Verkaufen "seiner" Methode, was sich auch in vielen "besserwisserischen" Äußerungen im Buch zeigt, gibt dem Buch einen bitteren Beigeschmack. Jedoch zeigt die "Nicht-Einzigartigkeit" das diese spielerische Methode kein Guru-Kram ist. Der abgehobene Teil über ethische Ausrichtung und den Sportgedanken interessiert einen allerdings wenig, wenn man sowieso schon vom Hundesport besessen ist. Vieles ist auch etwas schwierig zu verstehen, da leider immer überflüssige ethische Abschweifungen und überflüssige Fremdwörter (sollen das ganze wohl zusätzlich als etwas "besseres" kennzeichnen) verwendet werden. Dennoch, der grundsätzliche Inhalt ist schon genial (wenn man ihn "herausisoliert" hat), und auf jeden Fall jedem ambitionierten Hundesportler, der sich neben der Praxis auch mit der Theorie beschäftigt, zu empfehlen. Allerdings wäre vielleicht die Anschaffung des Lind Buches "Hunde spielend motivieren" zusammen mit dem Buch "Clickertraining" von Birgit Laser noch sinnvoller, denn damit wären Spiel und Prinzipien der positiven Verstärkung (in "Clickertraining" richtig gut verständlich!!!) abgedeckt. Die hohe Punktzahl bekommt das Buch dennoch, da es viel Brauchbares enthält, und es vom Inhalt in dieser Gesamtform, kein vergleichbares Buch (in Deutschland) gibt. Die Bilder sind auch sehr gut.