Mit durchschlagendem Erfolg wurde zu Beginn dieses Jahrtausends am Bochumer Schauspielhaus Helge Schneiders erstes selbstgeschriebenes Theaterstück uraufgeführt ' Mendy das Wusical. Auf der hier besprochenen CD wird die Story um die vom Schicksal gebeutelte Familie der jugendlichen Pferdenärrin Wendy von Helge Schneider im Alleingang als Hörspiel präsentiert. Dabei entfacht der Meister des absurden Humors wie immer mit geringem materiellen und zeitlichen Aufwand eine faszinierende Wirkung: Sich selbst am Klavier begleitend übernimmt er alle Sprech- und Singrollen sowie die Aufgabe des allwissenden Er/Sie-Erzählers. Dass er seine Stimme dabei auf so variable, groteske und urkomische Weise verstellen kann, dass keine der fast 20 Sprechrollen wie die andere klingt und jede eine ganz eigene Charakteristik verliehen bekommt ist eine von vielen absoluten Glanzleistungen in Schneiders Werk. Neben dieser Stimmakrobatik sorgen zwei weitere humoristische Aspekte für das Gelingen von Schneiders Projekt:
Erstens handelt es sich bei "Mendy" um eine überaus gelungene, mit feiner Klinge geschlagene Genreparodie. Mit bewusst künstlich daherkommenden Melodielinien, in die zwanghaft der von der gerade aktiven Figur zu verkündende Inhalt gequetscht wird, spielt Schneider auf ein typisches Charakteristikum von Muscials an, welches dafür sorgt, dass vielen Menschen dieses Genre (meiner Meinung nach zurecht) suspekt erscheint. Exzellente Beispiele hierfür sind die Auftritte des Schlachters ("Ich biete hundert Eurooooo!") sowie die Liebesszene zwischen Knecht und Mutter im Stall.
Zweitens ist die Story des "Wusicals" überaus belustigend und verstörend zugleich. Der Handlungsverlauf ist einerseits klar strukturiert, andererseits sorgen schneidertypische Zwischenepisoden und Absurditäten für Lachkrämpfe und eine angenehme Art von Verwirrung beim Zuhörer. Warum zum Beispiel schildert der Autor eine völlig belanglose Szene mit einem Fahrkartenkontrolleur im Schulbus? Und warum sehen sich der nach einem Rodeounfall an einen Rollstuhl gefesselte, depressive Vater von Wendy und die arglose Mutter des getöteten Knechts gemeinsam Pornovideos an? Ganz klar, um zu belustigen, so einfach ist das bei Helge. Wer zu sehr nach einem tieferen Sinn im Schaffen des Meisters sucht, kann sich nur darin verfransen. Wer bereit ist, sich der Absurdität des Ganzen hinzugeben, der wird mal wieder aus dem Lachen nicht herauskommen.
Die oben erwähnte Mutter des Knechts ist mit ihrer unfassbar genialen Mischung aus einem breiten saarländischen Akzent à la Familie Heinz Bäcker und einer überraschend lockeren und offenen Einstellung gegenüber der ihr im Fernseher des Vaters dargebotenen schlüpfrigen Filmszenen ein typisches Beispiel für eine in der Handlung unbedeutende Nebenrolle, die durch ihre geniale Ausgestaltung und die Kreativität ihres Schöpfers die Highlights des gesamten Werkes setzt. Der Dialog zwischen ihr und Wendys Vater für mich jetzt schon ein Highlight der Comedy-Historie. Nicht unerwähnt bleiben sollte zu guter letzt auch die hohe Qualität von Schneiders Kompositionen und Klavierspiel auf dieser CD. Eingängige Melodielinien und harte, dissonante Akkorde und Cluster geben sich gekonnt und stets in Abstimmung mit dem gerade aktuellen Inhalt der Handlung die Klinke in die Hand.
"Mendy das Wuscial" ist eine rundum gelungene Genreparodie, bei der die Handlung des Stückes von der künstlerischen Ausgestaltung und den einzelnen humoristischen Elementen klar und gekonnt in den Hintergrund gedrängt wird.